In der Reihe zum Buch CSR muss keine Bürde sein! stel­len wir die 8 wesent­li­chen Etap­pen zur Ein­füh­rung eines Nach­hal­tig­keits­ma­nage­ments vor.

Etappe 3: Erfah­ren wo andere stehen

Wis­sen Sie wie nach­hal­tig Ihre Wett­be­wer­ber sind und was diese unter­neh­men um nach­hal­ti­ger zu werden?

Die erste Frage, die man sich da viel­leicht stel­len mag ist, ob es über­haupt rele­vant ist, zu wis­sen was andere machen. Ja und nein! Natür­lich soll­ten Sie Ihre Nach­hal­tig­keits­be­mü­hun­gen indi­vi­du­ell gestal­ten und gezielt schauen, wie Sie die Umwelt– und Sozi­al­ver­träg­lich­keit Ihrer unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit ver­bes­sern kön­nen. Es ist ganz sicher nicht ziel­füh­rend zu schauen, was die Wett­be­wer­ber machen, um seine eigene Nach­hal­tig­keits­ar­beit danach aus­zu­rich­ten und diese ent­spre­chend zu kopie­ren. Schluss­end­lich geht es ja darum, dass Ihr Unter­neh­men zukunfts­fä­hig ist und dass Sie wis­sen wie Ihr Unter­neh­men für die Zukunft auf­ge­stellt sein sollte. Hier­für ist der Blick auf Ihre Wett­be­wer­ber und damit auf den Markt jedoch sehr wich­tig. Es könnte bei­spiels­weise sein, dass es Anfor­de­run­gen gibt, die sämt­li­che Wett­be­wer­ber erfül­len und sich somit als Markt­stan­dards bereits eta­bliert haben oder auf dem Weg dahin sind. Sol­che Anfor­de­run­gen soll­ten Sie ken­nen und vor allem bei der Aus­ge­stal­tung Ihrer Nach­hal­tig­keits­be­mü­hun­gen mit ein­be­zie­hen. Daher ist es wich­tig, dass Sie bei einem Bench­mark, also einer ver­glei­chen­den Ana­lyse der Nach­hal­tig­keits­ar­beit sowohl die Wett­be­wer­ber mit ein­be­zie­hen, die Sie als rele­van­ten Wett­be­werb, für Ihr Unter­neh­men betrach­ten, aber auch die­je­ni­gen, von denen Sie den Ein­druck haben, diese spie­len ganz vorne mit in Sachen Nach­hal­tig­keit und könn­ten die Anfor­de­run­gen am Markt ent­spre­chend beeinflussen.

In vier Schrit­ten zum CSR Benchmark

1. Zu tref­fende Vorbereitungen

Defi­nie­ren Sie den Teil­neh­mer­kreis und die zu ver­glei­chen­den Aspekte. Das klingt zunächst recht sim­pel, erfor­dert jedoch rela­tiv viel Recher­che. Neh­men Sie sich diese Zeit, denn je umfas­sen­der Daten vor­lie­gen, desto aus­sa­ge­kräf­ti­ger wird Ihr Bench­mark. Schauen Sie hier­bei ganz genau hin, wel­che Unter­neh­men im Rah­men eines Bench­marks ver­gli­chen wer­den sol­len und ach­ten Sie dar­auf sowohl die­je­ni­gen Unter­neh­men zu neh­men, mit denen Sie sich im direk­ten Wett­be­werb sehen, aber auch Unter­neh­men, von denen Sie den Ein­druck haben, sie geben Markt­stan­dards vor. Außer­dem füh­ren Sie sich noch­mals Ihre Nach­hal­tig­keits­as­pekte aus Etappe 1 vor Augen und legen fest zu wel­chen Kri­te­rien Sie Infor­ma­tio­nen wol­len. Das kön­nen bei­spiels­weise all­ge­meine The­men sein, wie „Gibt es Nach­hal­tig­keits­ziele?“ oder kon­krete, wie „Gibt es Ange­bote zur Kin­der­be­treu­ung?“ oder „Gibt es einen Nachhaltigkeitsbericht?“.

2. Beschaf­fung der Daten

Sämt­li­che Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten, die Sie für eine ver­glei­chende Ana­lyse benö­ti­gen ist tat­säch­lich eine Krux. Da Sie die Ergeb­nisse des Bench­marks aber mit ein­be­zie­hen bei der Aus­rich­tung Ihrer Nach­hal­tig­keits­ar­beit, ist es essen­ti­ell hier beson­ders umfas­send zu recher­chie­ren. Dafür eig­nen sich bei­spiels­weise Nach­hal­tig­keits­be­richte, die Web­site, spe­zi­ell der Bereich auf dem die Arbeits­welt prä­sen­tiert wird, aber auch der Pres­se­be­reich, sowie Pres­se­mel­dun­gen. Nichts­des­to­trotz kann es sein, dass einige der von Ihnen gesuch­ten Infor­ma­tio­nen nicht auf­find­bar sind. Das kann hei­ßen, dass es keine Infor­ma­tion dazu gibt und somit auch das Kri­te­rium vom Wett­be­wer­ber nicht erfüllt wird oder dass die Infor­ma­tion ein­fach nicht kom­mu­ni­ziert wird.

3. Bestim­mung des Benchmarks

Sind alle oder wei­test­ge­hend alle Daten bzw. Infor­ma­tio­nen beschafft, stel­len Sie diese ver­glei­chend zu Ihrem Betrieb auf. Neben Ihrem Unter­neh­men, wer­den die zu ver­glei­chen­den Unter­neh­men auf­ge­lis­tet, so dass Sie zu allen Punk­ten einen indi­vi­du­el­len Ver­gleich anstel­len können.

4. Ana­lyse & Erkenntnisse

Der Bench­mark sollte unbe­dingt bei der Aus­ge­stal­tung des CSR-Engagements berück­sich­tigt wer­den. Wurde bei­spiels­weise Nach­hal­tig­keits­as­pek­ten inner­halb der Sta­tus Quo-Erfassung eine eher geringe Rele­vanz beige­mes­sen und sollte im Bench­mark ersicht­lich sein, dass diese Aspekte von Wett­be­wer­bern deut­lich umfas­sen­der bear­bei­tet wer­den, muss geprüft wer­den, ob der ein­gangs iden­ti­fi­zierte Hand­lungs­be­darf rea­lis­tisch ist oder noch­mal ange­passt wer­den muss.

Neben der Erar­bei­tung des Bench­marks, um einen Fahr­plan für seine Nach­hal­tig­keits­ak­ti­vi­tä­ten zu erar­bei­ten, macht es Sinn, den Bench­mark als Pro­zess zu ver­ste­hen und in gere­gel­ten Abstän­den einen ver­glei­chen­den Blick auf Wett­be­wer­ber und damit vor allem auf den Markt zu wer­fen. Da der Markt und die darin agie­ren­den Akteure nicht starr sind, kann es dazu kom­men, dass Ver­än­de­run­gen am Markt auch Ver­än­de­run­gen Ihres CSR-Managements bedeuten.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen und bei­spiel­hafte Metho­den zur Erstel­lung des CSR Bench­marks sowie der ganz­heit­li­chen Imple­men­tie­rung von CSR sind in dem Buch CSR muss keine Bürde sein! zu finden.

Mit ihren Mehrweg-Tüüten begeis­tern Anja und Chris­tina von umtü­ten seit 4 Jah­ren Men­schen für einen All­tag ohne Ein­weg­ver­pa­ckun­gen. Nun will das junge Unter­neh­men aus Kiel mit dem umdenk-velo die Nach­hal­tig­keit auf die Straße bringen.

Liebe Chris­tina, was ist das umdenk-velo und was genau kann das velo alles?

Das umdenk-velo ist ein elek­tri­sches Las­ten­rad, das wir mit vie­len Werk­zeu­gen aus­stat­ten. In Vor­trä­gen und Work­shops inspi­riert das velo Schüler*innen und Unter­neh­men, krea­tiv zu wer­den und out of the box zu den­ken. Am velo wer­den alt­ein­ge­fah­rene Pro­zesse spie­le­risch hin­ter­fragt, neu gedacht und der Schul– & Büro­all­tag (oder auch das ganze Unter­neh­men) nach­hal­tig gestaltet.

Gleich­zei­tig dient das velo als loka­les Trans­port­mit­tel, mit dem wir unsere Tüü­ten zu Kund*innen und Lieferant*innen fah­ren kön­nen. Andere Orga­ni­sa­tio­nen oder Grup­pen sind herz­lich ein­ge­la­den, dass velo auch für ihre Zwe­cke zu nutzen.

Was hat euch moti­viert, ein mobi­les Workshop-Werkzeug zu ent­wi­ckeln und wel­che Rolle spiel­ten euren Mehrweg-Tüüten dabei?

Unsere Tüü­ten sind ein Mit­tel, um Men­schen zum Umden­ken zu brin­gen, jeden Tag! Beim Ein­kau­fen, unter­wegs, in der Schule oder im Büro. Und auch das umdenk-velo soll, wie der Name schon ver­rät, dazu moti­vie­ren. Wir wol­len uns „gro­ßen Ent­schei­dungs­trä­gern“ nicht aus­ge­lie­fert füh­len. Denn es fühlt sich so gut an, die eigene Zukunft und den eige­nen Raum mit­zu­ge­stal­ten und selbst anzu­pa­cken. Dazu rufen wir mit dem umdenk-velo auf!

Wen wollt ihr mit dem umdenk-velo zum Umden­ken bewegen?

Jede*n von uns! Denn wir alle kön­nen etwas ver­än­dern und im Klei­nen damit anfangen.

Wir rich­ten uns in Work­shops und Vor­trä­gen vor allem an Schu­len und Unter­neh­men. Gleich­zei­tig gestal­ten wir es zu einem fahr­ba­ren Museum, mit dem sich jede*r fra­gen kann, wie nach­hal­tig der eigene Lebens­stil ist.

umdenk-velo_2Ihr seit gerade mit einer Crowdfunding-Kampagne gestar­tet. Wenn euer Funding-Ziel erreicht ist, wann plant ihr mit dem velo loszulegen?

Die Lie­fer­zeit des Las­ten­rads beträgt 2–3 Monate. Mit den Work­shops kön­nen wir also im Som­mer 2020 begin­nen – hof­fent­lich schon zum Start der Kie­ler Woche!

Wie kön­nen Unter­neh­men das umdenk-velo und euch in Aktion erleben?

Beim eige­nen Work­shop. Unter­neh­men kön­nen wäh­rend der Kam­pa­gne bereits ihren Nachhaltigkeits-Workshop buchen. Oder ihr besucht uns bei ande­ren Ver­an­stal­tun­gen wäh­rend und nach der Kam­pa­gne. Wo genau wir sind, erfahrt ihr auf unse­rer Internetseite.

Vie­len Dank für das tolle Inter­view und die Vor­stel­lung eures velos. Für die Crowdfunding-Kampagne wün­schen wir euch ganz viel Erfolg! Wir freuen uns schon das umdenk-velo in Aktion zu erleben.

Mehr zu umtü­ten gibt es unter www.umtueten.org und zum Crowd­fun­ding des umdenk-velos unter www.startnext.com/umdenk-velo.

In der Reihe zum Buch CSR muss keine Bürde sein! stel­len wir die 8 wesent­li­chen Etap­pen zur Ein­füh­rung eines Nach­hal­tig­keits­ma­nage­ments vor.

Etappe 2: Anfor­de­run­gen und Erwar­tun­gen kennen

Wenn im Zusam­men­hang mit Cor­po­rate Social Responsi­bi­lity von Anfor­de­run­gen und Erwar­tun­gen gespro­chen wird, geht es im Wesent­li­chen um recht­li­che Anfor­de­run­gen, sowie Erwar­tun­gen sei­tens der Sta­ke­hol­der eines Unter­neh­mens. Mit Sta­ke­hol­der sind alle Akteure, bzw. Par­teien gemeint, die in irgend­ei­ner Form ein Inter­esse an einem Unter­neh­men haben kön­nen. Dies kön­nen interne Inter­es­sen­grup­pen sein, wie Mit­ar­bei­ter, Füh­rungs­kräfte und Eigen­tü­mer, aber auch externe Akteure wie Kun­den, Nach­barn, Lie­fe­ran­ten, Dienst­leis­ter, Medien, Ver­eine und Ver­bände oder auch Städte und Kom­mu­nen. Eine enge Ein­bin­dung der eige­nen Sta­ke­hol­der ist für die Ent­wick­lung von Unter­neh­men beson­ders wich­tig und kann als lang­fris­ti­ges Erfolgs­kri­te­rium ver­stan­den wer­den – ins­be­son­dere bei der Aus­ge­stal­tung der Nach­hal­tig­keits­ar­beit von Unternehmen.

Will ein Unter­neh­men zukunfts­fä­hig auf­ge­stellt sein, ist es also not­wen­dig Vor­stel­lun­gen und Erwar­tun­gen sei­ner Sta­ke­hol­der zu ken­nen und zu berück­sich­ti­gen. Auch kann ein kon­struk­ti­ver Aus­tausch mit sei­nen Sta­ke­hol­dern bei der Beant­wor­tung kom­ple­xer Nachhaltigkeits-Herausforderungen hel­fen und ist in die­sem Zusam­men­hang ein wich­ti­ger Bau­stein bei der Ent­wick­lung und Pla­nung sei­ner CSR-Aktivitäten.

Sie wis­sen nicht, was Ihre Sta­ke­hol­der erwarten?

Fra­gen Sie sie! Tre­ten Sie in einen Dia­log mit Ihren Sta­ke­hol­dern und fra­gen Sie diese nach ihren Erwar­tun­gen. Hier gibt es zahl­rei­che Wege wie Sie dies tun kön­nen, ein mög­li­cher Weg ist die Befra­gung anhand eines Fra­ge­bo­gens. Wozu Ihre Sta­ke­hol­der darin befragt wer­den steht Ihnen frei. Was wür­den Sie denn gerne mal von Ihren Kun­den, Ihren Mit­ar­bei­tern oder auch Ihren Lie­fe­ran­ten erfahren?

Für die Gestal­tung Ihrer Nach­hal­tig­keits­ar­beit, den­ken Sie daran, die Nach­hal­tig­keits­as­pekte (aus Etappe 1) dort ein­flie­ßen zu las­sen. Sie kön­nen Ihre Sta­ke­hol­der z.B. Aus­kunft zu den iden­ti­fi­zier­ten Nach­hal­tig­keits­as­pek­ten geben las­sen, die Sie in der 1. Etappe erfasst haben. Fra­gen Sie diese doch mal, wie rele­vant die Aspekte aus den Berei­chen Umwelt, Lie­fer­kette, Arbeits­welt, etc. für sie sind und fra­gen Sie in die­sem Zusam­men­hang auch, wie inten­siv Ihre Anspruchs­grup­pen die Bear­bei­tung die­ser Aspekte durch Sie wahr­neh­men. Dar­aus las­sen sich viele Rück­schlüsse zie­hen! Zum einen erfah­ren Sie in wel­chen Berei­chen Ihre Sta­ke­hol­der Hand­lungs­be­darf sehen oder sich mehr Enga­ge­ment Ihrer­seits wün­schen, zum ande­ren kön­nen Sie aber auch fest­stel­len, ob Ihre Bemü­hun­gen über­haupt wahr­ge­nom­men wer­den, sollte es wel­che geben. Dar­aus wür­den sich wie­derum Rück­schlüsse auf die Wirk­sam­keit der Kom­mu­ni­ka­tion Ihrer Nach­hal­tig­keits­be­mü­hun­gen zie­hen las­sen. Auch erhal­ten Sie die Infor­ma­tion, wel­che Nach­hal­tig­keits­as­pekte oder –the­men über­haupt als rele­vant betrach­tet werden.

Eine Befra­gung ist ledig­lich ein mög­li­cher Weg von vie­len und stellt eher ein ana­ly­ti­sches Vor­ge­hen dar, in dem sys­te­ma­tisch zu aus­ge­wähl­ten The­men und/oder Aspek­ten Aus­kunft ein­ge­holt wird.

Ein ande­res denk­ba­res For­mat wäre z.B. eine Dialog-Veranstaltung, bei der Sie Ihre Sta­ke­hol­der ein­la­den und sich im Rah­men eines vor­be­rei­te­ten Tref­fens zu unter­schied­li­chen Nach­hal­tig­keits­the­men aus­tau­schen. Hier­bei emp­fiehlt es sich eine externe Mode­ra­tion für den Tag bzw. den Aus­tausch ein­zu­be­zie­hen, wel­che die Vor­be­rei­tung und vor allem die Beglei­tung des Tages übernimmt.

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Die Abbil­dung stellt die bei­den For­mate ver­glei­chend gegen­über und soll bei der Ent­schei­dungs­fin­dung helfen.

Haben Sie die Erwar­tun­gen und Anfor­de­run­gen Ihrer Sta­ke­hol­der erfasst, ver­glei­chen Sie die Ergeb­nisse mit dem erar­bei­te­ten Sta­tus Quo, denn ggf. sind Aspekte denen eine gerin­gere Rele­vanz beige­mes­sen wurde, nun doch wich­ti­ger oder umge­kehrt. In die­sen Fäl­len müsste die Rele­vanz kor­ri­giert wer­den, was sich eben­falls auf den Hand­lungs­be­darf auswirkt.

Auch kön­nen aus der Stakeholder-Analyse bereits kon­krete Hand­lungs­be­darfe bzw. Maß­nah­men abge­lei­tet wer­den, die Sie bei der spä­te­ren Gestal­tung Ihrer Nach­hal­tig­keits­ziele und bei einem Maß­nah­men– oder Akti­ons­plan berück­sich­ti­gen sollten.

Beach­ten Sie, nicht alle Stakeholder-Gruppen haben die glei­che Rele­vanz für Ihr Unter­neh­men. Wei­tere Infor­ma­tio­nen und bei­spiel­hafte Metho­den zur Erfas­sung und Bewer­tung von Sta­ke­hol­der­grup­pen sowie der ganz­heit­li­chen Imple­men­tie­rung von CSR sind in dem Buch CSR muss keine Bürde sein! zu finden.

Viele Unter­neh­men neh­men jah­re­lange und kos­ten­in­ten­sive Trans­for­ma­ti­ons­pro­zesse auf sich, um ihr Geschäfts­mo­dell aus Nach­hal­tig­keits­ge­sichts­punk­ten zu bewer­ten und umzu­stel­len. Nicht sel­ten ste­hen sie vor der Her­ku­les­auf­gabe, dass die ver­än­derte Hal­tung des Unter­neh­mens nicht von der Beleg­schaft getra­gen bzw. gelebt wird.

Eine nach­hal­tige Unter­neh­mens­kul­tur erfor­dert nach­hal­ti­ges Han­deln und Den­ken der Mitarbeitenden

Grund­sätz­lich braucht es zwei Dinge: Kon­se­quen­tes von Nach­hal­tig­keit gepräg­tes unter­neh­me­ri­sches Han­deln und Zeit. Abhän­gig davon, wo ein Unter­neh­men her­kommt und wel­che Rolle nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten in der Ver­gan­gen­heit gespielt hat, braucht es ent­spre­chend viel oder weni­ger Zeit zum Eta­blie­ren einer ech­ten Nachhaltigkeitskultur.

Ein Patent­re­zept, wie nach­hal­tige Werte fes­ter Bestand­teil der Unter­neh­mens­kul­tur wer­den, gibt es nicht. Jedes Unter­neh­men muss einen indi­vi­du­el­len Fahr­plan, der zur vor­herr­schen­den Unter­neh­mens­kul­tur und Geschichte des Unter­neh­mens passt, ent­wi­ckeln. Die fol­gen­den Bau­steine kön­nen in die­sem Sinne dazu bei­tra­gen, dass nach­hal­ti­ges Han­deln und Den­ken von Mit­ar­bei­ten­den geför­dert und eine nach­hal­tig­keits­ori­en­tierte Unter­neh­mens­kul­tur ver­wirk­licht wird.

# Nach­hal­tig­keit als fes­ter Bestand­teil der Unter­neh­mens­stra­te­gie
Die durch Nach­hal­tig­keit geprägte Hal­tung eines Unter­neh­mens sollte sich unbe­dingt in der Unter­neh­mens­stra­te­gie wie­der­fin­den und sich durch ein­deu­tige Ziele, kon­krete Maß­nah­men und klare Ver­ant­wort­lich­kei­ten bemerk­bar machen.

# Das rich­tige Mind­set
Wel­che Vision ein Unter­neh­men ver­folgt und wel­che Werte den Unter­neh­mens­all­tag prä­gen ist essen­ti­ell für die gelebte Kul­tur in einer Orga­ni­sa­tion. Nach­hal­tig­keit gehört ins Leit­bild eines Unter­neh­mens, wel­ches gemein­sam mit den Mit­ar­bei­ten­den ent­wi­ckelt wer­den sollte, damit es auch von allen getra­gen wird.

# Ideen zulas­sen
Der offene Umgang mit Ideen för­dert und for­dert Mit­ar­bei­tende, sich im Unter­neh­men zu betei­li­gen. Dies gilt natür­lich auch für Impulse zur Wei­ter­ent­wick­lung der betrieb­li­chen Nach­hal­tig­keits­leis­tung. Wer Ideen ein­bringt, trägt sie auch wenn sie umge­setzt wer­den. Ide­en­ge­ber wer­den somit zu inter­nen Mul­ti­pli­ka­to­ren für nach­hal­ti­ges Handeln.

# Gestal­tung der Büros und Auf­ent­halts­räu­men
Hier muss man sich wohl­füh­len. Arbeits­plätze soll­ten zum einen unter gesund­heit­li­chen Gesichts­punk­ten gestal­tet wer­den. Des Wei­te­ren gilt: Je natür­li­cher desto bes­ser! Wer auf Natur­ma­te­ria­lien bei Möbel und Ein­rich­tungs­ge­gen­stände setzt und hier noch auf eine nach­hal­tige Beschaf­fung (Label) ach­tet, kann das Thema Nach­hal­tig­keit beson­ders gut trans­por­tie­ren. Pflan­zen sor­gen außer­dem, neben einem grü­nen Bild auch für ein bes­se­res Raumklima.

In Pau­sen­räume ist Müll­tren­nung ein Muss! Sofern Ruhe­räume im Unter­neh­men vor­han­den sind oder geschaf­fen wer­den, sollte auch hier auf eine öko­lo­gi­sche Gestal­tung und ent­spre­chende Möblie­rung geach­tet werden.

# Green IT
Auch die tech­ni­sche Aus­stat­tung im Büro hat Strahl­kraft, wie etwa durch refur­bis­hed Hard­ware oder einer bedarfs­ge­rech­ten Dimen­sio­nie­rung der gesam­ten IT-Infrastruktur. Unter­neh­men, die beson­ders gerne digi­tal unter­wegs sind, kön­nen zudem ein papier­lo­ses Büro einführen.

# Gesund am Arbeits­platz
Damit sich Mit­ar­bei­tende auf einen Kul­tur­wan­del ein­las­sen, sollte die Gesund­er­hal­tung auf einem Fun­da­ment wert­schät­zen­der Füh­rung auf­ge­baut wer­den. Es gibt viel­fäl­tige Mög­lich­kei­ten, um gezielte Ange­bote zur För­de­rung der Gesund­heit zu schaf­fen: Obst­tel­ler, kos­ten­lose Getränke, betrieb­li­che Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen, ergo­no­mi­sche Arbeits­platz– und Belas­tungs­ana­ly­sen, aktive Pau­sen (wie Rücken­schule, Yoga und Ent­span­nungs– oder Wal­king­grup­pen) oder Schu­lun­gen zu Res­i­li­enz oder Stress­ma­nage­ment und noch viele mehr.

# Bewusste Wahl der Arbeits– und Wer­be­mit­tel
Auch Arbeits– und Wer­be­mit­tel kön­nen das Mind­set eines Unter­neh­mens trans­por­tie­ren, ob Holz-Kugelschreiber, Recy­cling­pa­pier, Brief­um­schläge oder ähn­li­ches. Mit­ar­bei­tende wer­den über nach­hal­tige Arbeits­mit­tel kon­ti­nu­ier­lich mit der Hal­tung des Unter­neh­mens kon­fron­tiert. Auch bei Wer­be­mit­teln und Give-Aways sollte ent­spre­chend auf nach­hal­tige Mate­ria­lien und sinn­volle Pro­dukte geach­tet wer­den. Eine Ein­kaufs­richt­li­nie könnte den Mit­ar­bei­ten­den dabei eine gute Richt­schnur lie­fern, um Nach­hal­tig­keit in Ein­kaufs­pro­zesse zu verankern.

# Liebe … äähh Nach­hal­tig­keit geht durch den Magen
Essen ist Kul­tur! Mit Obst, Kaf­fee und Tee aus fai­rer und bio­lo­gi­scher Land­wirt­schaft wird ein deut­li­ches Zei­chen gesetzt. Ist eine Kan­tine vor­han­den, sollte Nach­hal­tig­keit auch auf dem Spei­se­plan und bei den ver­wen­de­ten Lebens­mit­teln erkenn­bar sein. Ebenso das Cate­ring bei Events ist ein Aus­hän­ge­schild für die Nach­hal­tig­keits­be­mü­hun­gen, por­tio­nierte Kaf­fee­sahne in klei­nen Plas­tik­be­häl­tern lässt das übrige Enga­ge­ment schnell unglaub­wür­dig erscheinen.

# Die Wir­kung des stil­len Ört­chens
Auch der Gang zur Toi­lette kann deut­lich machen, wel­che Werte den Unter­neh­mens­all­tag prä­gen. Öko­lo­gi­sche Putz­mit­tel, Naturkosmetik-Seife, Vor­rich­tun­gen zum Was­ser­spa­ren, Recy­cling­pa­pier­tü­cher zum Hände trock­nen und recy­cel­tes nicht gebleich­tes Toi­let­ten­pa­pier ver­mit­teln auch auf dem stil­len Ört­chen wel­chen Stel­len­wert Nach­hal­tig­keit im Unter­neh­men hat.

# Mit­ar­bei­ter­mo­bi­li­tät
Wie kom­men Mit­ar­bei­tende an ihren Arbeits­platz und was tut ein Unter­neh­men dafür, dass die Arbeits­wege mög­lichst kli­ma­freund­lich gestal­tet wer­den? Kon­krete Ange­bote unter­stüt­zen die Hal­tung des Unter­neh­mens und för­dern das Umwelt­be­wusst­sein der Beleg­schaft, wie etwa Zuschüsse zur Nut­zung des ÖPNV, E-Ladesäulen oder Fahr­rad­lea­sing. Auch die Option des Home-Office ist vor die­sem Hin­ter­grund ein sinn­vol­les Angebot.

# Nicht jede Per­son passt zum Unter­neh­men
Aus wel­cher Rich­tung fri­scher Wind weht, kann eine große Rolle spie­len. Sind nach­hal­tig­keits­ori­en­tierte Werte for­mu­liert, die den Unter­neh­mens­all­tag prä­gen oder prä­gen soll­ten, ist auch bei Neu­an­stel­lun­gen dar­auf zu ach­ten, ob poten­ti­elle Mit­ar­bei­tende zur Hal­tung des Unter­neh­mens pas­sen. Hierzu exis­tie­ren sogar Matching-Tools, mit denen man fra­gen­ba­siert bewer­ten kann, wie stark eine Kan­di­da­tin oder ein Kan­di­dat zur Hal­tung des Unter­neh­mens passt.

# Team­buil­ding und Volun­tee­ring
Das gesell­schaft­li­che Enga­ge­ment von Unter­neh­men birgt ein enor­mes Poten­tial für einen Kul­tur­wan­del. Mit­ar­bei­tende soll­ten mit­be­stim­men wo sich enga­giert wird und sich über ihren Arbeit­ge­ber am bes­ten direkt bei gemein­nüt­zi­gen Pro­jek­ten ein­set­zen kön­nen. Cor­po­rate Volunteering-Events för­dern sowohl die Team­fä­hig­keit und Teament­wick­lung und kön­nen auch eine stär­kere Iden­ti­fi­ka­tion mit einem Unter­neh­men bewir­ken. Für klei­nere Unter­neh­men bie­tet es sich auch an Teamevents einen gemein­nüt­zi­gen Cha­rak­ter zu verleihen.

Kei­ner die­ser Ansätze garan­tiert, dass eine nach­hal­tige Unter­neh­mens­kul­tur gelebt wird, kön­nen aber bedeu­tend dazu bei­tra­gen, dass nach­hal­ti­ges Han­deln und Den­ken bei Mit­ar­bei­ten­den geför­dert und somit in der Kul­tur eines Unter­neh­mens eta­bliert werden.

In der Reihe zum Buch CSR muss keine Bürde sein! stel­len wir die 8 wesent­li­chen Etap­pen zur Ein­füh­rung eines Nach­hal­tig­keits­ma­nage­ments vor.

Etappe 1: Sta­tus Quo erfassen

Wo ste­hen wir eigent­lich und was machen wir bereits in Sachen CSR? Womit fan­gen wir nun kon­kret an, wenn wir nach­hal­ti­ger wer­den wol­len? Dies sind typi­scher­weise Fra­gen die sich kleine und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men stel­len, wenn sie sich erst­mals mit dem Thema Cor­po­rate Social Responsi­bi­lity beschäf­ti­gen. Auch wenn die Moti­va­tion groß und der Ehr­geiz hoch ist, sofort zu star­ten und direkt Aktio­nen zu rea­li­sie­ren, sollte sich zunächst ein Über­blick über die Gesamt­si­tua­tion ver­schafft wer­den. Die Erfas­sung aller rele­van­ten Nach­hal­tig­keits­ak­ti­vi­tä­ten und
–Aspekte stel­len den Sta­tus Quo eines Unter­neh­mens struk­tu­riert dar und bil­den eine her­vor­ra­gende Grund­lage zur Pla­nung und Umset­zung der CSR-Aktivitäten.

Eine sol­che Bestands­auf­nahme zeigt einem Unter­neh­men, wel­che Aspekte für die­ses rele­vant sind und wie inten­siv sie diese in ihrer täg­li­chen Arbeit ggf. schon berück­sich­ti­gen. Unter­neh­men erfah­ren wo sie ste­hen, was sie bereits machen und in wel­chen Berei­chen ein Ein­grei­fen nötig ist. Gerade da, wo per­so­nelle Res­sour­cen knapp sind, hilft ein Sta­tus Quo dabei, diese gezielt ein­zu­set­zen und die Umwelt– und Sozi­al­ver­träg­lich­keit des Unter­neh­mens, in dem eige­nen Tempo schritt­weise zu verbessern.

Um den Sta­tus Quo in Sachen Nach­hal­tig­keit zu erhal­ten, beste­hen im Wesent­li­chen drei ver­schie­dene Möglichkeiten:

  1. Nut­zung von Selbstbewertungs-Tools (Checks)
  2. Erstel­lung durch Beratungsunternehmen
  3. Selbst­stän­dige Erstel­lung in Eigenleistung

 

Im Fol­gen­den wer­den die jewei­li­gen Mög­lich­kei­ten näher erläu­tert sowie in der nach­ste­hen­den Tabelle ver­glei­chend dargestellt.

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Selbst­be­wer­tungs­in­stru­mente kön­nen eigen­stän­dig vom jewei­li­gen Unter­neh­men ange­wandt wer­den. Hier­bei müs­sen Unter­neh­men ihre rele­van­ten Daten sam­meln und ent­spre­chend ein­pfle­gen, so dass sie abschlie­ßend einen Über­blick zum Sta­tus Quo erhal­ten. Einige Checks lie­fern hier­bei auch Ana­ly­sen und Aus­wer­tun­gen, anhand derer ersicht­lich wer­den, wie das Unter­neh­men in Bezug auf Cor­po­rate Social Responsi­bi­lity auf­ge­stellt ist. Dar­über hin­aus decken die Checks zumeist not­wen­di­gen Hand­lungs­be­darf auf und lie­fern teil­weise kon­krete Emp­feh­lun­gen zur Ver­bes­se­rung der CSR-Arbeit.

Ein paar aus­ge­wählte Instru­mente sol­len an die­ser Stelle kurz erwähnt wer­den. Der CSR-Self-Check des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les (BMAS) ist bei­spiels­weise ein Instru­ment, mit dem Unter­neh­men ein Bild zu ihrem CSR-Engagement erhal­ten. Die­ser Check geht nicht beson­ders in die Tiefe und ist daher als Methode zur Bestands­auf­nahme eher unge­eig­net, aber als Rich­tungs­wei­ser kann die­ser durch­aus Impulse lie­fern, wie nächste Schritte aus­se­hen könnten.

Neben Ansät­zen, die eher zur Ori­en­tie­rung ver­hel­fen, exis­tie­ren auch Checks, wel­che deut­lich dif­fe­ren­zier­ter und umfäng­li­cher sind und einen gesam­ten Über­blick über die CSR-Aktivitäten ver­schaf­fen und sich somit auch wun­der­bar zur Bestands­auf­nahme eig­nen. Der CSR-Check von uns bei­spiels­weise und der CSR-Checkup von UPJ sind Instru­mente, die bei der Erfas­sung des Sta­tus Quo gezielt unter­stüt­zen. Beide basie­ren auf einer Selbst­aus­kunft, wobei durch das Unter­neh­men jeweils ver­schie­dene Hand­lungs­fel­der, in Form von Fra­ge­bö­gen bear­bei­tet wer­den müs­sen. Die darin skiz­zier­ten Daten wer­den wer­den beim CSR-Check durch einen Algo­rith­mus direkt aus­ge­wer­tet und beim CSR-Checkup durch den Anbie­ter ana­ly­siert und ent­spre­chend auf­be­rei­tet. So erhal­ten Unter­neh­men zum einen ihren Sta­tus Quo, wel­cher ihnen auf­zeigt was sie im Bereich CSR bereits leis­ten und zudem Hand­lungs­emp­feh­lun­gen, mit denen sie ihre Nach­hal­tig­keits­ar­beit prio­ri­sie­ren und schritt­weise ver­bes­sern können.

Eine dif­fe­ren­zier­tere Bestands­auf­nahme kann ebenso durch eine ent­spre­chende Nach­hal­tig­keits– oder CSR-Beratung vor­ge­nom­men wer­den. Wer aller­dings auf die Bera­tungs­leis­tung ver­zich­ten und selbst­stän­dig zu einer fun­dier­ten Arbeits­grund­lage kom­men will, kann selbst­ver­ständ­lich auch eigen­stän­dig eine Bestands­auf­nahme durch­füh­ren. Wer selbst­stän­dig die Erfas­sung sämt­li­cher Aspekte und Nach­hal­tig­keits­ak­ti­vi­tä­ten vor­neh­men will, kann sich bei­spiels­weise an den fol­gen­den vier Punk­ten orientieren:

  1. Erfas­sen Sie alle rele­van­ten Nachhaltigkeitsaspekte
  2. Bewer­ten Sie die Rele­vanz der Aspekte
  3. Ermit­teln Sie den Grad der Umsetzung
  4. Hand­lungs­be­darf festlegen

 

Die­ses Vor­ge­hen ver­schafft Ihnen einen guten Über­blick über Ihren Sta­tus Quo in Sachen Nach­hal­tig­keit bzw. CSR und ein soli­des Fun­da­ment für alle wei­te­ren Nach­hal­tig­keits­be­mü­hun­gen. Zur bes­se­ren Über­sicht­lich­keit, fas­sen Sie die ein­zel­nen Daten zu Ihren Aspek­ten noch­mals als Sta­tus Quo in einer Dar­stel­lung zusammen.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen zur Durch­füh­rung einer CSR-Bestandsaufnahme sowie ganz­heit­li­chen Imple­men­tie­rung von CSR sind in dem Buch CSR muss keine Bürde sein! zu finden.

We so oft, star­tet dat niege Johr een beden naden­kelk. In de ver­le­de­nen Johrn neh­men wi dat Beneh­men in soziale Medien oftins nöölig un spitz­mu­lig wohr. Dag för Dag lesen wi Kom­men­tore de uns in sehrs Utdrucks­wies een­fach ver­dut­zen. Lüüd warn belei­digt, anschimpt un per­sö­nelk angree­pen. Besün­ners ünner Posts de Umwelt­saa­ken umfa­ten, vun Lüüd de sik för een betere Umwelt inset­ten, heb­ben wi dat Geföhl, dat sik de „Com­mu­nity“ spal­tet – Wobi vun een Geme­en­schop kan man dor woll eher nich schnaken.

Umwelt­saa­ken brin­gen uns utnanner

Jüst na Nie­johr­saamd heb­ben wi wed­der een Barg Tüdel­kraam to lesen hat. Een por Lüüd heb­ben sik eernst to dat Thema pri­vate Füer­wark uts­pro­ken und wiest dat se mit de Laag nich tofree­den sin. Een gan­zen Barg pam­pige Kom­men­tore dor­ün­ner, een schlim­mer as de anner! Ende vun Leed wär, dat Lüüd de sik för de Umwelt inset­ten allens keen Spaaß heb­ben un allen annern daarum ook keen Spaaß güün un dat se daarum allens ver­be­den wöt. De Belei­di­un­gen de ünner de Post stahn heb­ben laten wi mol weg.

Wenn wi över Umwelt­saa­ken schna­ken geiht de Geme­en­schop utnan­ner, de een wün­schen sik dat mehr dohn ward för de Umwelt, de annern neh­men Umwelt­schutz oftins as över­dre­ven wohr. Nadeem een twee Argu­mente tuusk warn neh­men Dis­kus­si­oo­nen bi face­book un co gau een dösige Kurs.

Min­schlik­heid schall uns verbinnen

Wi warn in dis­sen Bidrag keen Argu­mente levern ob mehr oder weni­ger för de Umwelt dohn warn schull – dor heb­ben wie een klore Meenung!

De Ton we in de soziale Medien mit­nan­ner un över­nan­ner schnakt ward mut sik dorbi aver ännern. Dor wüns­ken wi uns för 2020 mehr Fien­ge­föhl. Ernst Ferstl hett mol seggt:

„Solang uns de Min­schlik­heid mit­nan­ner ver­binnt, is egaal, wat uns trennt“.

„Tue Gutes und rede dar­über“ ist wohl das am meis­ten ver­wen­dete Zitat, wenn es um die Kom­mu­ni­ka­tion von Nach­hal­tig­keit geht. Um der Nach­hal­tig­keits­kom­mu­ni­ka­tion von Unter­neh­men mehr Gewicht zu ver­lei­hen, exis­tie­ren eine Viel­zahl unter­schied­li­cher Preise, mit denen beson­dere Leis­tun­gen von Unter­neh­men gewür­digt werden.
In die­sem Bei­trag wol­len wir einen Über­blick über die bekann­tes­ten Nach­hal­tig­keits­preise geben. Um sich einen Ein­druck von Wett­be­werb­s­ka­te­go­rien, Son­der­prei­sen und Bewer­bungs­an­for­de­run­gen zu ver­schaf­fen, sind die jewei­li­gen Preise ent­spre­chend verlinkt.
Der Deut­sche Nach­hal­tig­keits­preis wird von der Stif­tung Deut­scher Nach­hal­tig­keits­preis e.V. ver­lie­hen, die auch Initia­tor des Prei­ses ist. Geehrt wer­den Unter­neh­men, die sich einem nach­hal­ti­gen Wirt­schaf­ten ver­pflich­tet haben und dies erfolg­reich umset­zen. Alle Bei­träge wer­den einem mehr­stu­fi­gen Aus­wahl­ver­fah­ren unter­zo­gen, in dem von einem unab­hän­gi­gen Exper­ten­gre­mium die Top 3-Finalisten bestimmt wer­den. Am 22. Novem­ber wird der Preis bereits zum zwölf­ten Mal verliehen.
Die Bun­des­re­gie­rung zeich­net Unter­neh­men aus, die nach­hal­ti­ges Han­deln in ihren Betrie­ben fest ver­an­kert haben, indem sie neben fai­ren Geschäfts­prak­ti­ken eine mit­ar­bei­ter­ori­en­tierte Per­so­nal­po­li­tik umset­zen, die Umwelt und das Klima schüt­zen und dabei spar­sam mit natür­li­chen Res­sour­cen umge­hen und ins­ge­samt vor Ort und in der Lie­fer­kette ver­ant­wor­tungs­voll agie­ren. Eine Jury ent­schei­det auf Basis einer drei­stu­fi­gen Ana­lyse wer den CSR-Preis der Bun­des­re­gie­rung erhält. Das aktu­elle Bewer­bungs­ver­fah­ren läuft noch bis zum 31. Oktober.
Frü­her als „Werk­statt N“ bezeich­net, wer­den nun jähr­lich 40 Initia­ti­ven und Pro­jekte vom Rat für Nach­hal­tige Ent­wick­lung mit dem Qua­li­täts­sie­gel „Pro­jekt Nach­hal­tig­keit“ aus­ge­zeich­net. Ob Pri­vat­per­son, NGO, Kom­mune oder Unter­neh­men, bei den ein­ge­reich­ten Bewer­bun­gen zählt vor allem die Wir­kung im Sinne einer nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung. Auf der Seite von Pro­jekt N ist zudem eine Akteurs­land­karte zu fin­den, wel­che die aus­ge­zeich­ne­ten Bei­träge dar­stellt. Bewer­bun­gen kön­nen immer zu Beginn eines Jah­res ein­ge­reicht wer­den, aus denen eine Jury 40 Bei­träge mit dem Sie­gel “Pro­jekt Nach­hal­tig­keit” prämiert.
Die Bun­des­ver­ei­ni­gung Logis­tik (Deutsch­land und Öster­reich) zeich­net jähr­lich ganz­heit­li­che Logis­tik­kon­zepte aus, wel­che bereits rea­li­siert wur­den und im beson­de­ren Maße eine nach­hal­tige Wir­kung auf­wei­sen. In die­sem Sinne muss die öko­lo­gi­sche, öko­no­mi­sche und gesell­schaft­li­che Wir­kung des Vor­ha­bens in der Bewer­bung mög­lichst kon­kret dar­ge­legt und mit ent­spre­chen­den Kenn­zah­len begrün­det wer­den. Die aktu­elle Bewer­bungs­phase für den Nach­hal­tig­keits­preis Logis­tik 2020 läuft noch bis zum 15. Dezember.
Eben­falls durch die Stif­tung Deut­scher Nach­hal­tig­keits­preis e.V. wird der Next Eco­nomy Award an soziale und öko­lo­gi­sche Star­tups ver­lie­hen. Mit dem NEA soll “grü­nen Grün­dern” der Rücken gestärkt und ins­ge­samt Grün­dun­gen geför­dert wer­den, die den Wan­del hinzu einer nach­hal­ti­ge­ren Wirt­schaft unter­stüt­zen. Ein­ge­reichte Bewer­bun­gen wer­den in einem mehr­stu­fi­gen Pro­zess bewer­tet und in jeder Kate­go­rie drei Bei­träge nomi­niert. Im Rah­men eines Kon­gres­ses wer­den die Preis­trä­ger durch eine Jury und dem Publi­kum, nach Live-Präsentationen der Nomi­nier­ten ausgezeichnet.
Einige wei­tere Preise
Neben den vor­ge­stell­ten Nach­hal­tig­keits­prei­sen, exis­tie­ren auch in eini­gen Bun­des­län­dern sepa­rate Preise, wel­che die Nach­hal­tig­keits­leis­tung regio­na­ler Akteuere wür­di­gen, wie z.B. der Nach­hal­tig­keits­preis Schleswig-Holstein oder auch der Umwelt­preis Baden-Württemberg. Auch gibt es Unter­neh­men, die ihre gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung darin sehen, andere Unter­neh­men, Orga­ni­sa­tio­nen oder auch Pri­vat­per­so­nen zu mehr Nach­hal­tig­keit zu bewe­gen und ent­spre­chend aus­zeich­nen, wie z.B. das Neu­mark­ter Lamms­bräu mit ihrem Preis für Nach­hal­tig­keit.

Am heu­ti­gen Frei­tag hat die Fridays4Future-Bewegung zum glo­ba­len Kli­ma­st­reik auf­ge­ru­fen. Niels war dabei und hat die Schü­le­rin­nen und Schü­ler in Husum an der Nord­see bei ihrem Streik unter­stützt. Als eines von über 3600 Unter­neh­men (www.entrepreneurs4future.de) set­zen auch wir uns für eine Wirt­schaft ein, die einen schnel­le­ren Kli­ma­schutz vor­an­bringt. Wir for­dern eine CO2-Besteuerung, eine Beschleu­ni­gung der Ener­gie­wende, die Abschaf­fung kli­ma­schäd­li­cher Sub­ven­tio­nen und vie­les mehr.
Doch die Fron­ten ver­här­ten sich
Wäh­rend die einen nach effek­ti­ve­ren Kli­ma­schutz­maß­nah­men rufen, hal­ten Andere Argu­mente vor, wes­halb sie Kli­ma­schutz­maß­nah­men ableh­nen oder diese als unge­recht emp­fin­den. Dem­ent­spre­chend wer­den nicht nur Kli­maak­ti­vis­ten lau­ter, son­dern auch die­je­ni­gen, die eine stren­gere Kli­ma­po­li­tik scharf kritisieren.
Im Zen­trum der Kri­tik …
… steht häu­fig die Wett­be­werbs­fä­hig­keit hie­si­ger Unter­neh­men, sollte es eine stär­kere Regu­lie­rung hinzu einer kli­ma­scho­nen­den Wirt­schaft geben. Oder es domi­niert die Angst davor, dass ener­gie­in­ten­sive Unter­neh­men ihre Pro­duk­tion in Län­der aus­la­gern, die weni­ger streng regu­liert sind. Auch heißt es gerne, dass es nichts bringt, wenn Deutsch­land es schafft seine Treib­haus­gase signi­fi­kant zu sen­ken, solange die inter­na­tio­nale Staa­ten­ge­mein­schaft nicht mitzieht.
Wir kön­nen nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag war­ten 
Jeder der einer CO2-Bepreisung zustimmt, aber gleich­zei­tig for­dert, dass diese auf euro­päi­scher Ebene rea­li­siert wird, sagt letzt­end­lich nein zur CO2-Steuer, so Dr. Katha­rina Reu­ter, Geschäfts­füh­re­rin des Ver­ban­des Unter­neh­mens­Grün. Wei­ter sagt sie: „Eine euro­päi­sche Lösung – das ist gleich­be­deu­tend mit dem Ver­schie­ben auf den poli­ti­schen Sankt-Nimmerleins-Tag“.
Emis­sio­nen müs­sen mehr als hal­biert wer­den. Aus unse­rer Sicht ist es da ver­ständ­lich, dass die­je­ni­gen die in der Ver­gan­gen­heit viel emit­tiert haben vor­aus­ge­hen. Viele mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men sind da längst wei­ter als die Poli­tik und zei­gen, wie sich Kli­ma­schutz und Wirt­schaf­ten ver­ei­nen las­sen. Vor dem Hin­ter­grund der Wett­be­werbs­fä­hig­keit sicher eine weit­sich­tige Entscheidung.
Letz­ten Endes soll­ten wir uns fra­gen was uns mehr scha­det, die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels oder die Fol­gen der Maß­nah­men zur Bekämp­fung des Klimawandels.
Wir wer­den bis Ende 2020 kli­ma­neu­tral sein. Die not­wen­dige Erfas­sung unse­rer Emis­sio­nen haben wir in den ver­gan­ge­nen Wochen bereits auf­ge­baut und berech­nen diese nach dem Green­house Gas Pro­to­col. Haupte­mit­tent sind getä­tigte Geschäfts­rei­sen, hier wer­den wir wei­tere Maß­nah­men zur Reduk­tion rea­li­sie­ren und über die Kom­pen­sa­tion nicht ver­meid­ba­rer Emis­sio­nen die Kli­ma­neu­tra­li­tät bis Ende nächs­ten Jah­res erreichen.
Das ist unser Ver­spre­chen an die nach­fol­gen­den Generationen!

Es war nicht nur das ers­tes Mal auf dem Wacken Open Air (W:O:A), son­dern auch der erste Festival-Besuch in die­ser Grö­ßen­ord­nung über­haupt. In die­sem Jahr durfte Niels in der Wacken Future Fac­tory mit­wir­ken und mit Fans und Besu­chern des Fes­ti­vals über die Zukunft des Metal-Events, ins­be­son­dere im Hin­blick auf die Nach­hal­tig­keit sprechen.

Die Her­aus­for­de­run­gen sind offensichtlich

Wenn über 75.000 Men­schen zum Fei­ern zusam­men­fin­den, ist es keine Über­ra­schung, dass ent­spre­chende Abfall­berge ent­ste­hen, was ins­be­son­dere bei der Abreise deut­lich wird, wenn die Hin­ter­las­sen­schaf­ten auf den Fel­dern und Wei­den sicht­bar wer­den. Das Wacken Open Air zieht zudem Men­schen aus allen Ecken der Welt an, per Flug­zeug, mit dem Bus, mit der Bahn, dem PKW oder Cam­per rei­sen tau­sende Metal­heads an. Stich­wort Kli­ma­schutz! Hinzu kommt der Ener­gie­ver­brauch für die Shows selbst.

In der Wacken Future Fac­tory konnte an der Zukunft mit gestal­tet werden

Im Rah­men der Fac­tory wurde genau über diese Her­aus­for­de­run­gen dis­ku­tiert und erste Lösungs­an­sätze wur­den erar­bei­tet, immer vor dem Hin­ter­grund, dass das Wacken-Erlebnis nicht dar­un­ter lei­den darf, immer­hin steht das unbe­schwerte Fei­ern im Vor­der­grund. Das bedeu­tet, dass Ver­än­de­run­gen in die­ser Hin­sicht eher sanft pas­sie­ren und keine „erho­be­ner Zeigefinger“-Wirkung haben soll­ten. Viele Fans haben Ideen ein­ge­bracht und ihre Vision für das Wacken der Zukunft platziert.

Unsere Top 5 – Ansätze mit Potential

  • Schon beim Ver­kauf der Tickets kann die Anreise mit der Bahn stär­ker geför­dert wer­den, indem bereits ent­spre­chende Bahn­ti­ckets mit ange­bo­ten wer­den oder es Ver­güns­ti­gun­gen für Bahn­ti­ckets gibt und die Anreise mit der Bahn dadurch ein­fach attrak­ti­ver wird. Wich­tig ist dabei natür­lich, dass es einen Shuttle-Service vom nächst gele­ge­nen Bahn­hof gibt, der für das W:O:A vor­han­den ist.

 

  • Auf dem Fes­ti­val selbst, könn­ten sämt­li­che Food-Trucks und –Stände kom­pos­tier­ba­res Geschirr ver­wen­den, was im bes­ten Fall nur aus einem Mate­rial besteht, wie bspw. gepresste Bana­nen­blät­ter. Dann sollte der Abfall jedoch auch kon­se­quent getrennt wer­den, was man bereits beim Che­ckIn för­dern kann, indem anstelle von einem gro­ßen Müll­beu­tel, meh­rere Beu­tel, Papier­tü­ten und / oder Kis­ten für unter­schied­li­che Abfall­ar­ten aus­ge­ge­ben wer­den. Auch wurde der Wunsch nach mehr regio­na­len Food-Angeboten geäußert.

 

  • Sind die Fes­ti­val­be­su­cher abge­reist, wer­den die Hin­ter­las­sen­schaf­ten sicht­bar. Wie­sen vol­ler Zelte und Camping-Equipment. Auf den Cam­ping­grounds könn­ten Spen­den­sta­tio­nen ein­ge­rich­tet wer­den, bei denen die Metal­heads intakte Zelte etc. abge­ben kön­nen, die dann bspw. Orga­ni­sa­tio­nen der Obdach­lo­sen­hilfe über­reicht wer­den. Wir haben gehört, dass es in Wacken einen sol­chen Stand geben soll, doch fin­den konnte Niels den lei­der nicht. Zudem sind die Wege teil­weise sehr weit, so dass wir die Idee der Zelt­spende auf den Cam­ping­grounds sehr sinn­voll fin­den, da so für die Fes­ti­val­be­su­cher kein Mehr­auf­wand besteht.

 

  • Häu­fig wurde auch der Wunsch nach einer Green Cam­ping Area geäu­ßert, auf der auf Strom-Aggregate ver­zich­tet wird und Kom­post­toi­let­ten ste­hen. Auch wür­den sich gemein­schaft­lich nutz­bare Grill­plätze gut ein­fü­gen (was ver­mei­den könnte, dass Besu­cher ihre Grills bei der Abreise ste­hen las­sen) oder solar­be­trie­bene Lade­stel­len für mobile Endgeräte.

 

  • Nicht nur die Fans haben krea­tive Ideen ein­ge­bracht. Prof. Michael Braungart, Kopf des Cradle-to-Cradle Prin­zips, hat in der Future Fac­tory einen sehr inspi­rie­ren­den Vor­trag gehal­ten und u.a. dafür plä­diert, dass die Res­sour­cen des Fes­ti­vals im Festival-Kreislauf blei­ben, durch bspw. Papp­be­cher, die in dem einen Jahr gesam­melt und im nächs­ten Jahr als Klo­pa­pier ein­ge­setzt werden.

 

Unser Fazit

Wir mer­ken, dass die nach­hal­tige Gestal­tung von Fes­ti­vals die­ser Grö­ßen­ord­nung eine immense Auf­gabe ist, ins­be­son­dere vor dem Hin­ter­grund, dass das Fes­ti­val­er­leb­nis ein Unbe­schwer­tes blei­ben sollte. Doch neben den genann­ten Ideen, gab es noch eine Reihe wei­te­rer Anre­gun­gen und Ansätze, die uns zuver­sicht­lich stim­men, dass Fes­ti­vals die Welt ver­än­dern und dabei die Umwelt schüt­zen können.

Wir sind gespannt, wie das W:O:A der Zukunft tat­säch­lich aus­se­hen wird und wel­che Ansätze sich, aus der Future Fac­tory, dort wie­der­fin­den. Die Fac­tory selbst sehen wir dabei als Think Tank in dem der Nähr­bo­den für alles wei­tere entsteht.

Niels selbst hat übri­gens lange über­legt und ist die 80km dann doch mit einem gelie­he­nen Cam­per ange­reist. Dafür hat er die Gele­gen­heit genutzt und seine Ver­pfle­gung gut ein­ge­plant, über­wie­gend unver­packt ein­ge­kauft und einige Mahl­zei­ten bereits zuhause vor­ge­kocht. Als bei einem Gewit­ter das Gelände geräumt wurde und sich alle in ihre PKW bege­ben soll­ten, war er ziem­lich froh über diese Entscheidung.

Ein Fuß­ball­ver­ein als Schirm­herr für die Rechte von Homo­se­xu­el­len. Warum sich Han­no­ver 96 für den Chris­to­pher Street Day (CSD) der nie­der­säch­si­schen Lan­des­haupt­stadt enga­giert und wie es um die För­de­rung von Gleich­stel­lung im Fuß­ball bestellt ist, erklärt uns Eileen Wun­der­lich in einem Interview.

Lie­be Eileen, vie­len Dank, dass du dir Zeit für uns nimmst und mit uns über die För­de­rung der Rechte von Les­ben, Schwu­len, Bise­xu­el­len, Trans– und Inter-Personen (LGBTI) im Fuß­ball sprichst. Bitte stell dich unse­ren Lesern kurz vor.

Ich bin Eileen Wun­der­lich, 32 Jahre jung und arbeite aktu­ell beim Pro­fi­fuß­ball­ver­ein Han­no­ver 96. Dort bin ich zustän­dig für die Mar­ken­kom­mu­ni­ka­tion und unter­stütze unter ande­rem mei­nen Kol­le­gen Mirko Woit­schig (Lei­ter CSR und auf dem Bild zu mei­ner Rech­ten) rund um CSR-Themen im Rah­men der Initia­tive 96plus. 96plus gibt es seit August 2016 und bün­delt das soziale Enga­ge­ment von Han­no­ver 96.

Wie kam es zu eurem Enga­ge­ment im Rah­men des CSD Han­no­ver und inwie­fern ist die För­de­rung von Gleich­stel­lung und Diver­sity Teil eurer CSR-Strategie?

Wir haben eine Anfrage des Anders­raum e.V. bekom­men, ob wir uns vor­stel­len kön­nen den CSD in Han­no­ver zu unter­stüt­zen. Der Anders­raum e.V. ist ein Ver­ein, der sich für Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ar­beit mit Schwer­punkt sexu­elle Ori­en­tie­rung und geschlecht­li­che Iden­ti­tät (LSBT*IQ) ein­setzt und unter ande­rem eben Aus­rich­ter des CSD in Han­no­ver ist. Am Ende ist die Unter­stüt­zung dann so weit gegan­gen, dass 96plus direkt die Schirm­herr­schaft über­nom­men hat. Wir sind sehr stolz dar­auf sagen zu kön­nen, dass 96plus die­ses Jahr mitt­ler­weile zum drit­ten Mal diese tolle Ver­an­stal­tung mit der Schirm­herr­schaft unter­stüt­zen durfte.

Natür­lich gehört die För­de­rung von Gleich­stel­lung und Diver­sity zu unse­rem sozia­len Enga­ge­ment dazu. Wir set­zen uns im Rah­men von Han­no­ver ist BUNT nicht nur gegen Ras­sis­mus ein. Zu einer BUNTEN-Gesellschaft gehört für uns auch ganz klar nicht nur Mit­men­schen ande­rer Her­kunft son­dern genauso auch die Inklu­sion von Men­schen mit Behin­de­rung, Gleich­stel­lung von Frauen oder eben auch der Ein­satz für Per­so­nen mit unter­schied­li­chen sexu­el­len Orientierungen.

Ich kann mir vor­stel­len, dass es nicht nur Befür­wor­ter eures Enga­ge­ments gibt. Gibt es Kri­ti­ker und wie geht ihr mit ihnen und ihrer Kri­tik um?

Ich würde hier zwi­schen inter­ner und externer-Kritik dif­fe­ren­zie­ren. Was die Kom­mu­ni­ka­tion nach außen betrifft haben wir durch eine Tona­li­täts­ana­lyse auf den sozia­len Kanä­len von 96plus eine 100% posi­tive Tona­li­tät fest­stel­len kön­nen. Auf dem Haupt­ka­nal von Han­no­ver 96 haben die The­men rund um 96plus, mit 97%, eben­falls einen star­ken posi­ti­ven Wert erzielt. Die weni­ger, aber durch­aus exis­tie­ren­den nega­ti­ven Äuße­run­gen und Kom­men­tare müs­sen aller­dings noch­mal geson­dert quan­ti­fi­ziert wer­den. Die Äuße­run­gen die dort getrof­fen wer­den gehen meist von soge­nann­ten „Internet-Hools“ aus und sind oft­mals sehr unqua­li­fi­ziert und nicht sach­lich argu­men­tiert, sodass es kei­nen Sinn macht näher dar­auf ein­zu­ge­hen. Diese gene­rell betrach­tet, durch­weg posi­tive Rück­mel­dung von außen, bestärkt uns natür­lich noch mehr darin, dass das was wir tun gut ist und moti­viert uns in unse­rer täg­li­chen Arbeit das Enga­ge­ment wei­ter auszubauen.

Wenn man sich für The­men ein­setzt, für die in der Gesell­schaft immer noch keine all­ge­meine Akzep­tanz herrscht, muss man natür­lich im beruf­li­chen sowohl als auch in pri­va­ten immer mal wie­der mit kri­ti­schen Äuße­run­gen rech­nen und umge­hen. Für mich ist das aber voll­kom­men in Ord­nung. Jeder darf seine Mei­nung frei äußern, dafür leben wir in einer Demo­kra­tie. Wich­tig ist nur, dass diese Mei­nun­gen dann auch qua­li­fi­ziert sind und dass der Ein­satz von 96plus oder auch mein per­sön­li­ches Enga­ge­ment vom Umfeld, trotz ab und an anfal­len­der Kri­tik, tole­riert wird. Hier muss auch ganz klar immer zwi­schen Geg­nern und Kri­ti­kern unter­schie­den wer­den. Für uns steht im Vor­der­grund das sich die Men­schen im Umfeld mit sozia­len The­men aus­ein­an­der­setz­ten und durch die Aktio­nen von 96plus zum Nach­den­ken ange­regt wer­den. 96plus möchte mit Aktio­nen wie der Schirm­herr­schaft beim CSD ein Bewusst­sein schaf­fen und zei­gen das Viel­falt etwas Posi­ti­ves ist. Wir bekom­men immer mal wie­der mit, dass unter­schied­li­che The­men in einen Topf gewor­fen wer­den und es noch kein all­ge­mei­nes Bewusst­sein und Wis­sen über The­men wie Gleich­stel­lung exis­tiert. Genau des­we­gen ist es wich­tig Auf­klä­rung zu schaf­fen, Flagge zu zei­gen und ein Bewusst­sein zu schaffen.

Mit Blick auf die Glaub­wür­dig­keit: Wann ist das Enga­ge­ment von Fuß­ball­ver­ei­nen zur För­de­rung von Gleich­stel­lung, aus dei­ner Sicht, ernst zu nehmen?

Ich kann lei­der nicht beur­tei­len in wie weit sich andere Fuß­ball­ver­eine für die För­de­rung von Gleich­stel­lung enga­gie­ren. Wich­tig sollte hier jedoch sein — und das würde ich gar nicht nur auf Fuß­ball­ver­eine son­dern auf jedes Unter­neh­men oder Mar­ken so gene­ra­li­sie­ren, dass der Klub, die Marke oder das Unter­neh­men ganz­heit­lich nach Außen und nach Innen das Thema leben. Damit möchte ich sagen, dass ich es per­sön­lich als äußerst kri­tisch sehe, wenn ein Klub oder eine Marke bei­spiels­weise auf­grund des aktu­el­len 50. Jäh­ri­gen Sto­ne­wall– Jubi­lä­ums zum CSD auf den „Pride-Kommunikationshyp“ mit auf­springt und das Thema der Gleich­stel­lung für Mar­ke­ting­zwe­cke nutzt. Bei­spiels­weise Pro­dukte mit Regen­bo­gen­flag­gen in allen For­men und Far­ben ver­kauft um Absatz zu gene­rie­ren, ohne sich inten­siv mit dem Thema der Gleich­stel­lung und Diver­sity aus­ein­an­der­zu­set­zen und vor allem ein­zu­set­zen — in wel­cher Form auch immer. Unter­neh­men die Pro­dukte ver­trei­ben, die durch die Regen­bo­gen­far­ben klar als „Pride-Produkte“ gekenn­zeich­net sind und auf ein Enga­ge­ment ver­zich­ten, schaf­fen zwar indi­rekt ein Bewusst­sein und beken­nen sich zur Gleich­stel­lung, betrei­ben für mich aber ganz klar „Gay-Washing“ und wol­len sich hier ähn­lich wie beim „Green-Washing“ bes­ser dar­stel­len als sie eigent­lich sind. Das finde ich per­sön­lich eher sehr schwie­rig. Wenn man bei­spiels­weise nur ein Pro­fil­bild auf Face­book in Regen­bo­gen­flag­gen ändert, aber keine Struk­tu­ren schafft, um auf die Welle mit auf­zu­sprin­gen, ist das ja auch nicht Sinn und Zweck der Sache. Es ist wich­ti­ger Struk­tu­ren zu schaf­fen, als Pro­dukte ohne Inhalt zu ver­trei­ben– auch wenn man da als Unter­neh­men ein State­ment mit setzt.

Wie offen nimmst du den deut­schen Fuß­ball wahr, ist Homo­se­xua­li­tät noch immer ein Tabu-Thema?

Ins­be­son­dere die­ses Jahr, sicher­lich auch auf­grund des Jubi­lä­ums vom Chris­t­op­fer Street Day, nimmt man viel offen­sicht­li­cher als sonst wahr, dass sich die Ver­eine durch­aus mit Homo­se­xua­li­tät aus­ein­an­der­set­zen und ein Bewusst­sein nach außen hin prä­gen. Bei­spiele sind neben dem His­sen von Flag­gen oder auch das Erstrah­len der Alli­anz Arena vom FC Bay­ern in Regen­bo­gen­fah­nen oder bei­spiels­weise die Aus­weichtri­kots mit ein­ge­ar­bei­te­ten Rege­bo­gen vom St. Pauli, die jüngst auch T-Shirts her­aus­ge­bracht haben mit der Auf­schrift: „Lieb doch wen du willst“. 

Bezieht man die Fra­gen auf den Pro­fi­sport an sich, glaube ich kann sie eher jemand aus dem Sport selbst beant­wor­ten. Da möchte ich mir nicht anma­ßen interne Struk­tu­ren und das Vor­ge­hen im sport­li­chen Bereich zu beur­tei­len. Aber als Außen­ste­hen­der ist es natür­lich ganz klar nach wie vor wahr­zu­neh­men, dass ins­be­son­dere im Män­ner­fuß­ball lei­der immer noch als ein Tabu­thema behan­delt wird. Ganz anders ist es im Frau­en­fuß­ball hier wird es eher als unnor­mal ange­se­hen wenn Frauen Hete­ro­se­xu­ell sind und wer­den als Sport­le­rin­nen in einem mas­ku­li­nen Sport eher als homo­se­xu­ell ver­pau­scha­li­siert. Diese Vor­ur­teile finde ich sehr schwie­rig und würde mir mehr Tole­ranz, Zusam­men­halt und Ver­ständ­nis wün­schen, von Fans sowohl als auch von Ver­bän­den, diese Struk­tu­ren zu durch­bre­chen und für ein Bewusst­sein zu sor­gen. Die sexu­elle Nei­gung sollte mei­nes Erach­tens in kei­nem Sport oder Beruf eine Rolle spie­len. Das hat nichts mit per­sön­li­chen Fähig­kei­ten zu tun die einen für eine Tätig­keit qua­li­fi­zie­ren. Es spielt ein­fach keine Rolle wen man liebt, genau wie es keine Rolle spielt wel­che Haut­farbe, Her­kunft oder wel­ches Geschlecht eine Per­son hat. „Dem Ball ist es egal wer ihn ins Tor schießt“, ist da glaube ich ein pas­sen­des Sprichwort.

Was war dein per­sön­li­ches High­light beim dies­jäh­ri­gen Chris­to­pher Street Day in Hannover?

Eigent­lich ist der Chris­to­pher Street Day an sich schon das High­light des Jah­res. Es ist meine abso­lute Lieb­lings­ver­an­stal­tung in Han­no­ver, da so viele tolle und vor allem tole­rante Men­schen an einem Tag zusam­men kom­men und die Liebe fei­ern. Beson­ders toll war natür­lich dass wir die­ses Jahr mit auf dem Wagen des Anders­raum e.V. sein und die CSD-Parade anfüh­ren durf­ten. Es war so schön zu sehen wie viele Men­schen in Han­no­ver mit uns fei­ern. Ein Ziel für die nächs­ten Jahre ist es, mit einem eige­nen Truck ver­tre­ten zu sein.

Vie­len Dank für das span­nende Inter­view und eurem Enga­ge­ment, mit dem ihr ein star­kes Zei­chen für Viel­falt und Tole­ranz im Fuß­ball und der Gesell­schaft setzt.

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