Klimastresstest der Bundesbank: Was Unternehmen jetzt wissen müssen
Warum die grüne Transformation nicht nur Banken, sondern auch Unternehmen direkt betrifft – und was Unternehmen jetzt tun sollten.
Im Mai 2025 hat die Deutsche Bundesbank mit ihrem Discussion Paper 11/2025 einen aufsehenerregenden Klimastresstest für den deutschen Bankensektor veröffentlicht. Der Titel: „Climate stress test for the German banking sector: Impact of the green transition on corporate loan portfolios„. Auch wenn der Fokus der Studie auf Banken liegt, enthält sie wertvolle Erkenntnisse für Unternehmen, die sich im Spannungsfeld von Finanzierung, Klimapolitik und Transformation bewegen. Wir zeigen auf, was diese Studie für Ihr Unternehmen bedeutet – und warum sie ein Weckruf ist.
Zusammenfassung der Studie:
Die Deutsche Bundesbank hat im Rahmen ihrer Studie einen neuartigen Klimastresstest entwickelt, um die Auswirkungen der grünen Transformation auf das Kreditportfolio deutscher Banken zu quantifizieren. Ziel war es, potenzielle Risiken durch eine klimafreundliche Umstellung der Wirtschaft besser zu verstehen und zu modellieren.
Zentrale Erkenntnisse:
Die durchschnittliche Kreditausfallwahrscheinlichkeit von Unternehmen steigt in den untersuchten Klimaszenarien um bis zu 40 % über einen Zeitraum von drei Jahren. Die potenziellen Kreditverluste belaufen sich auf 0,23 % bis 0,36 % des gesamten inländischen Firmenkreditvolumens. Besonders betroffen sind emissionsintensive Sektoren (z. B. Energie, Transport, Landwirtschaft, Schwerindustrie), aber auch innerhalb der Sektoren bestehen große Unterschiede zwischen einzelnen Unternehmen. Regionale Banken mit weniger diversifizierten Portfolios sind besonders exponiert.
Hauptgründe für steigende Kreditausfälle in der Studie:
1. Höhere CO₂-Kosten (Carbon Pricing):
Ein sprunghafter Anstieg des CO₂-Preises (z. B. auf 200 €/t im STS-Stressszenario) führt zu deutlich höheren Produktionskosten, insbesondere bei emissionsintensiven Unternehmen.
2. Rückgang der Wertschöpfung:
Klimapolitische Maßnahmen reduzieren die Wertschöpfung in besonders betroffenen Sektoren (z. B. Energie, Verkehr, Landwirtschaft), da z.B. aufgrund einer höheren CO2-Bepreisung weniger produziert oder verdient werden kann. Der Rückgang der Wertschöpfung senkt Umsätze und operative Gewinne und erhöht damit die Ausfallwahrscheinlichkeit.
3. Erhöhter Investitionsbedarf für Dekarbonisierung:
Unternehmen müssen kurzfristig stark in klimafreundliche Technologien investieren (z. B. Produktionsumstellung, Energieeffizienz). Je nach Liquidität eines Unternehmens sind diese zusätzlichen Investitionen fremdfinanziert, was die Verschuldung erhöht und somit das Kreditrisiko steigen lässt.
4. Verschlechterung der Finanzkennzahlen:
Der Klimastress wirkt sich negativ auf zentrale Bilanzkennzahlen aus: Rückgang der Eigenkapitalquote, Steigender Verschuldungsgrad, höhere Zinslast, sinkende Liquidität
Diese Faktoren sind laut der Studie empirisch signifikant mit höheren Kreditausfallwahrscheinlichkeiten verbunden – und das, obwohl finanzielle Effekte durch physische Klimarisiken in den Modellen nicht einmal berücksichtigt sind.
Unsere 6 Schlussfolgerungen für Unternehmen:
Klimarisiken wirken sich direkt auf die Bonität von Unternehmen aus
Die Studie zeigt klar: Unternehmen mit hohen Emissionen und/oder hoher Kostenintensität sind besonders anfällig für Klimapolitik (z. B. steigende CO₂-Preise). Die Folgen: Höhere Kreditsausfallwahrscheinlichkeiten aus Sicht der Banken. In der Praxis: erschwerter Zugang zu Krediten, höhere Finanzierungskosten oder strengere Kreditbedingungen.
Emissionsintensive Unternehmen stehen unter besonderem Druck
Unternehmen in Branchen wie Energie, Landwirtschaft, Transport oder Schwerindustrie erleben laut Studie die stärksten bilanziellen Belastungen (steigende Produktionskosten durch CO₂-Preise und rückläufige Gewinne).
Zunehmende Verschuldung durch Investitionen in grüne Technologien
Wer jetzt nicht in Dekarbonisierung investiert, könnte künftig womöglich als „Klima-Hochrisikokreditnehmer“ eingestuft – mit allen Konsequenzen für Finanzierung und Wettbewerbsfähigkeit.
Die Finanzbranche wird klimainduzierten Druck weitergeben
Banken sind zunehmend in der Lage, Klimarisiken differenziert zu analysieren – auch auf Ebene einzelner Firmen. Dies bedeutet, dass Unternehmen künftig nicht nur nach Finanzkennzahlen, sondern verstärkt auch nach Emissionsintensität bewertet werden. Die Kriterien für die Kreditvergabe werden also wahrscheinlich grüner, differenzierter und selektiver.
Transformation bringt auch Chancen – für anpassungsfähige Unternehmen
Nicht alle Unternehmen sind gleich betroffen. Die Studie hebt hervor: Firmen mit niedriger Emissionsintensität sind weniger stark von erhöhtem Kreditrisiko betroffen. Manche könnten sogar profitieren (z. B. durch steigende Nachfrage nach grünen Produkten/Dienstleistungen). Unternehmen, die also frühzeitig in grüne Technologien investieren und ihre Bilanzstruktur stärken, verbessern nicht nur ihre Resilienz – sondern auch ihre Finanzierungsperspektive.
Anforderungen an Transparenz und Daten steigen
Die Studie basiert auf Emissionsdaten, Bilanzen und Branchenanalysen. Damit wird klar: Transparente, belastbare ESG-Daten (insb. zu CO₂-Emissionen) werden entscheidend, um Zugang zu Kapital zu sichern.
Fazit:
Die Studie zeigt, dass die steigenden Kreditausfälle primär durch eine Kombination aus höheren Umweltkosten, sinkender Profitabilität, steigender Verschuldung und fehlender Anpassungsfähigkeit verursacht werden. Diese Effekte sind heterogen verteilt – sowohl zwischen Sektoren als auch innerhalb eines Sektors – abhängig vom CO₂-Fußabdruck, der Finanzstruktur und der Anpassungsfähigkeit einzelner Unternehmen.
Wer demnach frühzeitig in Dekarbonisierung, Energieeffizienz und Transformation investiert, senkt langfristig sein Finanzierungsrisiko. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Wer zögert, riskiert höhere Kapitalkosten, geringeren Kreditzugang und Wettbewerbsnachteile.
Der Zugang zu Kapital wird in Zukunft stärker durch Klimaperformance beeinflusst Eine systematische Klimaschutz- und anpassungsstrategie und strukturierte Bereitstellung von ESG-Daten, bspw. über Nachhaltigkeitsberichte, bleiben – trotz wegfallender CRD-Berichtspflicht – zentrale Erfolgsfaktoren für Unternehmen.
Zur Analysemethodik
Die Bundesbank hat zwei Modelle genutzt, um zu analysieren, wie sich Klimapolitik auf die Finanzlage von Unternehmen und ihre Kreditwürdigkeit auswirkt:
Modell 1: Analyse einzelner Unternehmen (Mikromodell)
Dabei wurden Bilanzen, Finanzkennzahlen und CO₂-Emissionen von 17,881 Firmen ausgewertet. Klimaszenarien – etwa steigende CO₂-Preise – wurden auf die Unternehmen heruntergebrochen, um zu berechnen, wie stark ihr Risiko für Zahlungsausfälle steigt. Verschiedene Varianten machten die Ergebnisse robuster.
Modell 2: Analyse ganzer Branchen (Makromodell)
Dieses Modell untersuchte gesamte Wirtschaftsbereiche wie Energie, Transport oder Industrie. Es zeigt, wie sich Klimaschutzmaßnahmen auf die wirtschaftliche Stabilität ganzer Sektoren auswirken – unter Berücksichtigung von Faktoren wie BIP, Arbeitslosigkeit oder CO₂-Preisen.
Die Modelle wurden auf zwei Zukunftsszenarien angewendet:
– Ein geordneter Übergang zur Klimaneutralität („Net Zero 2050“).
– Ein plötzlicher Preisschock beim CO₂-Ausstoß (200 €/Tonne).
Hier geht es zur Studie:
https://www.bundesbank.de/resource/blob/925556/d8c997bae08fc68bef776091ef649e75/472B63F073F071307366337C94F8C870/2025-05-14-dkp-11-data.pdf
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