Seit dem 1. Janu­ar 2022 müs­sen berichts­pflich­ti­ge Unter­neh­men in Deutsch­land erst­ma­lig in ihrer nicht­fi­nan­zi­el­len Erklä­rung zur EU-Taxo­no­mie für Nach­hal­tig­keits­ak­ti­vi­tä­ten berich­ten. Wer genaue­res erfah­ren möch­te oder muss, liest sich die EU-Ver­ord­nung ein­mal durch. Aber zuge­ge­ben: Das knapp 600 Sei­ten lan­ge Doku­ment der EU-Taxo­no­mie durch­zu­ar­bei­ten, ist eine ech­te Fleiß­auf­ga­be. Und den­noch: Wer wis­sen will, was das eige­ne Unter­neh­men in den kom­men­den Jah­ren in Sachen Nach­hal­tig­keit zu erwar­ten hat (und wel­che Maß­nah­men bes­ser heu­te als mor­gen umge­setzt wer­den), kommt an der neu­en Ver­ord­nung nicht vor­bei. Wir haben wesent­li­che Punk­te ein­mal zusammengefasst. 

Was der Begriff „Taxo­no­mie“ im Rah­men der EU bedeutet

Kurz zur Defi­ni­ti­on: Das Wort Taxo­no­mie stammt aus dem alt­grie­chi­schen und steht für ein ein­heit­li­ches Ver­fah­ren, in dem Objek­te in bestimm­te Taxa, also Kate­go­rien oder Klas­sen, geord­net werden.

 

So eine ein­heit­li­che und nach­voll­zieh­ba­re Ein­ord­nung fin­det nun auch auf EU-Ebe­ne für den Bereich der Nach­hal­tig­keit statt. Denn im Rah­men des im Juni 2020 beschlos­se­nen Green Deals hat sich die EU ambi­tio­nier­te Nach­hal­tig­keits­zie­le gesteckt:

Bis 2030 soll eine Reduk­ti­on von 55% der Emis­sio­nen erreicht sein und 

bis zum Jahr 2050 soll die Kli­ma­neu­tra­li­tät in der EU erreicht werden. 

 

Da der gesam­te Umbau der Wirt­schaft von hohen staat­li­chen Inves­ti­ti­ons­sum­men abhängt, ist die EU auf Kapi­tal aus der Pri­vat­wirt­schaft ange­wie­sen. Hier kommt nun die EU-Taxo­no­mie ins Spiel: Mit der EU-Taxo­no­mie wur­de ein Rah­men­werk geschaf­fen, wel­ches Wirt­schafts­ak­ti­vi­tä­ten und deren Ein­fluss auf die Nach­hal­tig­keit klas­si­fi­ziert. In ande­ren Wor­ten: Die Taxo­no­mie lie­fert ein­heit­li­che Defi­ni­tio­nen dafür, was eigent­lich nach­hal­ti­ges Inves­tie­ren und Wirt­schaf­ten ist. Da sich die Finanzmarktakteur*innen alle an die glei­chen Defi­ni­tio­nen bin­den, soll so auch Green­wa­shing ver­hin­dert wer­den. In ande­ren Wor­ten: Wo „green“ drauf steht, muss also auch „green“ drin sein. 

 

Muss mein Unter­neh­men berichten?

Betrof­fen von der EU-Taxo­no­mie sind gene­rell kapi­tal­markt­ori­en­tier­te Unter­neh­men und Finanzmarktakteur*innen wie Ban­ken und Ver­si­che­run­gen. Mehr Details zu den Vor­aus­set­zun­gen der Bericht­erstat­tungs­plicht mit Fokus auf Unter­neh­men zeigt die fol­gen­de Grafik: 

Sustaineration_CSR_nachhaltigkeitsberatung_EU-Taxonomie_Wer ist betroffen

Grund­prin­zip und Klas­si­fi­zie­rung von Wirtschaftsaktivitäten

Bis­her wur­de das Regel­werk der Taxo­no­mie noch nicht für alle Berei­che der Nach­hal­tig­keit, d. h. in der Struk­tur „ESG“ (Envi­ron­men­tal – Social – Gover­nan­ce), ver­öf­fent­licht. Aktu­ell gibt es sechs EU-Zie­le für den Bereich „E“ (Envi­ron­men­tal bzw. Umwelt). In Zukunft soll die EU-Ver­ord­nung aber auch die Berei­che „SG“, also sozia­le The­men und gute Unter­neh­mens­füh­rung, abdecken.

Die Vor­aus­set­zung für eine taxo­no­mie­kon­for­me Wirt­schafts­ak­ti­vi­tät ist das Grund­prin­zip Do No Signi­fi­cant Harm(DNSH). Das bedeu­tet: Akti­vi­tä­ten in einem Bereich dür­fen kei­nen signi­fi­kan­ten Scha­den in einem ande­ren Bereich anrichten. 

Zukünf­tig kön­nen Unter­neh­men und ihre Wirt­schafts­ak­ti­vi­tä­ten nur als nach­hal­tig dekla­riert wer­den, wenn die­se auch die von der EU vor­ge­ge­be­nen Kri­te­ri­en ein­hal­ten. Die abge­bil­de­te Gra­fik lis­tet die von der EU defi­nier­ten Umwelt­zie­le auf und zeigt, wel­che Kri­te­ri­en den Wirt­schafts­ak­ti­vi­tä­ten unter­lie­gen, um als nach­hal­tig ein­ge­stuft wer­den zu können. 

Sustaineration CSR Nachhaltigkeitsberatung EU-Taxonomie Umweltziele Infografik

Legt ein Unter­neh­men die für sich rele­van­ten Akti­vi­tä­ten fest, dann wer­den im letz­ten Schritt drei „grü­ne KPIs“ ver­öf­fent­licht, die mit fol­gen­den Leit­fra­gen beant­wor­tet werden:

Sustaineration Nachhaltigkeitsberatung EU-Taxonomie Zusammenfassung CSR drei grüne KPIs Infografik

Mei­len­stei­ne der EU 2022

Die fol­gen­de Gra­fik zeigt die Mei­len­stei­ne sei­tens der EU, die im Jahr 2022 erreicht wer­den bzw. bereits erreicht wur­den sowie unse­re Umset­zungs­emp­feh­lun­gen für Unter­neh­men über die­sen Zeitraum.

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Inte­gra­ti­on im Deut­schen Nach­hal­tig­keits­ko­dex als Ansatz zur Umset­zung der Taxonomie

Um im Sin­ne der EU-Taxo­no­mie berich­ten zu kön­nen, wur­de der Deut­sche Nach­hal­tig­keits­ko­dex (DNK) um eine zusätz­li­che Berichts­op­ti­on erwei­tert. In der DNK-Daten­bank  kön­nen nun die Grü­nen KPIs (sie­he Gra­fik oben), Pro­zess­be­schrei­bun­gen (qua­li­ta­tiv) und je nach Unter­neh­men rele­van­te Anla­gen ein­ge­pflegt wer­den. In Zukunft kön­nen eben­so Leis­tungs­in­di­ka­to­ren und ande­re Indi­ka­to­ren über meh­re­re Berichts­jah­re abge­bil­det wer­den. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen bie­tet die Sei­te des DNKs.

Vor­tei­le der EU-Taxo­no­mie nutzen

Mit der EU-Taxo­no­mie kön­nen Unter­neh­men ihre Nach­hal­tig­keit gegen­über Sta­ke­hol­dern und Investor*innen trans­pa­rent kom­mu­ni­zie­ren. Eine früh­zei­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung ermög­licht es, das ope­ra­ti­ve Geschäft recht­zei­tig vor­zu­be­rei­ten und für die Zukunft anzu­pas­sen. Sus­tai­nera­ti­on ist offi­zi­el­ler DNK-Schu­lungs­part­ner und unter­stützt Unter­neh­men bei der Bericht­erstat­tung, der Ent­wick­lung einer Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie sowie der Vor­be­rei­tung für Zer­ti­fi­zie­run­gen im Bereich Nachhaltigkeit. 

Quel­len: 

www.bmwi.de, www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de, www.ec.europa.eu/info/index_de, www.eur-lex.europa.eu, www.horvath-partners.com, www.datamaran.com