Die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten wer­den mit jedem Jahr umfas­sen­der. Abhän­gig von der Geschäfts­tä­tig­keit exis­tie­ren etli­che Grenz­werte, Gesetze oder Richt­li­nien, wel­che den Hand­lungs­spiel­raum für Unter­neh­men abste­cken. Ein neues Gesetz, wel­ches zum 01.01.2019 in Kraft tritt und von dem ein Groß­teil deut­scher Unter­neh­men betrof­fen sein wird, soll hier näher vor­ge­stellt werden.

Das neue Ver­pa­ckungs­ge­setz (Ver­packG) — Was es ist und wen es betrifft!

Die Idee: Wer Ver­pa­ckun­gen in Umlauf bringt, soll sich an den Kos­ten für die Ver­wer­tung beteiligen.

Das Ver­pa­ckungs­ge­setz löst die Ver­pa­ckungs­ver­ord­nung ab und soll damit die Rege­lung des Mark­tes, ins­be­son­dere bezüg­lich der Sys­tem­kos­ten über­neh­men und vor allem für Trans­pa­renz sor­gen. Umge­setzt wird dies durch die Zen­trale Stelle Ver­pa­ckungs­re­gis­ter, die aktu­ell noch als Stif­tung, aber ab Januar als Behörde orga­ni­siert ist, wel­che die Kon­trolle zur Ein­hal­tung des Ver­pa­ckungs­ge­set­zes übernimmt.

Betrof­fen ist jeder der Ver­pa­ckun­gen in Umlauf bringt, die übli­cher­weise beim Ver­brau­cher im Haus­müll lan­den. Sämt­li­che betref­fen­den Unter­neh­men müs­sen sich bei der Zen­trale Stelle Ver­pa­ckungs­re­gis­ter regis­trie­ren und ange­ben, wel­che Ver­pa­ckun­gen (Menge und Art) sie in Umlauf brin­gen und das Sys­tem nen­nen, wie z.B. “Der Grüne Punkt”, bei dem die Sys­tem­be­tei­li­gung vor­ge­nom­men wurde.

Sys­tem­be­tei­li­gungs­pflich­tige Ver­pa­ckun­gen sind alle Pro­dukt­ver­pa­ckun­gen, die beim End­ver­brau­cher lan­den sowie Ver­sand­ver­pa­ckun­gen. Etwas undurch­sich­tig wird es für Händ­ler, hier ist es ganz wesent­lich, wer auf dem Pro­dukt genannt wird: Händ­ler, Her­stel­ler oder beide. Wer sich unsi­cher ist, ob eine Regis­trie­rung not­wen­dig ist, schaut am bes­ten in den FAQs des Regis­ters oder nutzt den Mail– oder Tele­fon­sup­port des Registers.

Wel­ches Ziel ver­folgt das neue Gesetz?

Zum einen Trans­pa­renz und Kon­trolle über die Sys­tem­be­tei­li­gung und letzt­end­lich einen Anstieg der Recyclingquote.

Dadurch, dass es sich um ein öffent­li­ches Regis­ter han­delt, bei dem eine Regis­trie­rung ver­pflich­tend ist, schafft das Gesetz eine hohe Trans­pa­renz. Jeder kann sich beim Regis­ter dar­über infor­mie­ren, wel­che Unter­neh­men bzw. Mar­ken dort regis­triert sind. Die Menge und Arten der Ver­pa­ckun­gen sind dabei jedoch nicht einsehbar.

Auch ist die Erhö­hung der Recy­cling­quote ein wesent­li­ches Ziel die­ses Geset­zes. Es han­delt sich bei dem Regis­ter zwar ledig­lich um eine Daten­über­mitt­lung der vor­han­de­nen Ver­pa­ckun­gen und ent­spre­chen­den Sys­tem­be­tei­li­gung, was erst­mal kei­nen Effekt auf die Recy­cling­quote zu erwar­ten lässt. Da aller­dings die Kos­ten für die Sys­tem­be­tei­li­gung laut §21 Ver­packG von der Recy­cling­fä­hig­keit der Ver­pa­ckun­gen abhän­gen, steigt die Moti­va­tion Ver­pa­ckun­gen neu zu den­ken und somit Sys­tem­kos­ten zu sen­ken enorm.

Ein Bei­spiel:

Ver­bund­ver­pa­ckun­gen wie Joghurt­be­cher sind oft­mals nicht recy­cling­fä­hig. Sie beste­hen aus einem Plas­tik­be­cher, einer Papier­ban­de­role und einem Alu-Deckel. Wenn der Ver­brau­cher nicht sämt­li­che Stoffe von­ein­an­der trennt und ent­spre­chend ent­sorgt, erkennt das Sys­tem nur einen der ver­wen­de­ten Stoffe, z.B. den Alu-Deckel. Kon­se­quenz ist, dass der Becher im wei­te­ren Recy­cling­pro­zess aus­sor­tiert wird, da eben auch Plas­tik und Papier ent­hal­ten ist und am Ende nicht recy­celt wer­den kann.

Durch das Ver­pa­ckungs­ge­setz und höhere Kos­ten für Sys­tem­be­tei­li­gung könnte dadurch natür­lich auch die Moti­va­tion sol­che Ver­pa­ckun­gen “bes­ser” zu gestal­ten, stei­gen oder auch die Sen­si­bi­li­sie­rung der Ver­brau­cher, wie mit Ver­pa­ckun­gen umzu­ge­hen ist zunehmen.

Wie kann ich mich dar­auf vorbereiten?

Die Regis­trie­rung ist für betref­fende Unter­neh­men nicht optio­nal. Wer sich nicht regis­triert, han­delt nicht rechts­kon­form und muss mit Stra­fen bis hin zu Ver­triebs­ver­bo­ten rechnen.

Prü­fen Sie also ob Sie betrof­fen sind, am bes­ten direkt auf der Seite der Zen­tra­len Stelle Ver­pa­ckungs­re­gis­ter oder in direk­ten Kom­mu­ni­ka­tion mit den Mit­ar­bei­te­rIn­nen des Regis­ters und neh­men Sie eine recht­zei­tige Regis­trie­rung vor. Zur Vor­be­rei­tung auf die Regis­trie­rung gibt es eine Check­liste, die dabei behilf­lich ist.

Cor­porte Social Responsi­bi­lity (CSR), Diver­sity, Employer Bran­ding, Cor­po­rate Volun­tee­ring… der Anglizismen-Dschungel nach­hal­ti­gen Wirt­schaf­tens ist schier unend­lich. Kein Wun­der, dass Unter­neh­men die sich erst­mals mit der The­ma­tik aus­ein­an­der­set­zen häu­fig abge­schreckt sind und nicht wis­sen wie und wo sie star­ten sollen.

Der CSR-Check zeigt rele­van­ten Handlungsbedarf

Ganz ohne Fach­kennt­nisse und Angli­zis­men zeigt der Check den unter­neh­me­ri­schen Status-Quo in Sachen Nach­hal­tig­keit. Viele Unter­neh­men unter­stüt­zen gemein­nüt­zige Zwe­cke durch Geld­spen­den oder auf ande­ren Wegen. Wenn jedoch das Nach­hal­tig­keits­en­ga­ge­ment ganz­heit­lich aus­ge­legt wer­den soll, wis­sen sie oft­mals nicht wo sie eigent­lich ste­hen oder womit sie anfan­gen sol­len. Der CSR-Check ver­schafft hier Abhilfe! Er zeigt sys­te­ma­tisch auf wo ein Unter­neh­men in den Hand­lungs­fel­dern Umwelt, Lie­fer­kette, Arbeits­welt, Gesell­schaft, Markt und Manage­ment steht und ver­deut­licht ent­spre­chen­den Handlungsbedarf.

Es gibt viel zu tun, doch womit fängt man an?

Nicht jeder Nach­hal­tig­keits­as­pekt hat für jedes Unter­neh­men die glei­che Bedeu­tung, die wirk­lich rele­van­ten her­aus­zu­pi­cken ist da gar nicht so leicht. Auch hier­bei kann der Check Unter­stüt­zung lie­fern. Alle Aspekte, wie z.B. Ener­gie­ver­brauch, Umwelt– und Sozi­al­stan­dards inner­halb der Lie­fer­kette, betrieb­li­ches Mit­ar­bei­te­r­en­ga­ge­ment und Arbeits­ge­be­rat­trak­ti­vi­tät wer­den hin­sicht­lich ihrer Rele­vanz bewer­tet. Ver­schie­dene Indi­ka­to­ren geben über­dies Aus­kunft dar­über in wel­chem Umfang rele­vante Aspekte in einem Unter­neh­men berück­sich­tigt wer­den. Hier­durch kann nicht nur eine Aus­sage dar­über getrof­fen wer­den ob bei­spiels­weise der Aspekt Ener­gie­ver­brauch eine hohe oder nied­rige Bedeu­tung für ein Unter­neh­men hat, son­dern ob es zu die­sem Aspekt not­wen­di­gen Hand­lungs­be­darf gibt.

Was nach viel Arbeit klingt, dau­ert gerade mal 30 Minuten!

Unter­neh­men die Ihren Status-Quo in Sachen Nach­hal­tig­keit auf den Prüf­stand stel­len wol­len, bear­bei­ten einen ent­spre­chen­den Fra­gen­ka­ta­log zu ver­schie­de­nen Indi­ka­to­ren nach­hal­ti­gen Wirt­schaf­tens. Über ein Indikatoren-Modell wer­den die Anga­ben der Unter­neh­men sys­te­ma­tisch ana­ly­siert und bewer­tet, so dass der unter­neh­me­ri­sche Status-Quo am Ende als Bericht aus­ge­ge­ben wer­den kann. Die­ser ent­hält die ent­spre­chende Rele­vanz, sowie den Hand­lungs­be­darf der ein­zel­nen Aspekte und indi­vi­du­elle Nachhaltigkeits-Tipps, mit denen die Arbeit in den Hand­lungs­fel­dern Umwelt, Lie­fer­kette, Arbeits­welt, Gesell­schaft, Markt und Manage­ment schritt­weise ver­bes­sert wer­den kann.

Hier geht’s zum Check!

Im Rah­men der Arbeits­gruppe „Leben­dige Nach­hal­tig­keit“ sind wir eines von meh­re­ren Unter­neh­men wel­ches gemein­sam mit der Gesell­schaft für ange­wandte Wirt­schafts­ethik an einem Stan­dard für nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten für Han­dels– und Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men arbei­tet. Was die GfaW mit ihrer Arbeit und dem Stan­dard Cer­ti­fied Sus­tainable Eco­no­mics (CSE) errei­chen möchte und wel­che Ziele sie ver­fol­gen, erläu­terte uns Sophie (Geschäfts­füh­re­rin GfaW) in einem Interview.

Liebe Sophie, vie­len Dank dass du dir Zeit für uns nimmst und uns einige Fra­gen zur GfaW und eurer Arbeit beant­wor­test. Bitte stell dich unse­ren Lesern doch kurz vor.

Danke für das Inter­esse. Ich bin allein­er­zie­hende Mut­ter von zwei wun­der­ba­ren Kin­dern, die nun ins inter­es­sante Alter der Puber­tät gelan­gen. Mit zuneh­men­den Alter der Kin­der wach­sen auch meine Frei­räume und ich kann mich schritt­weise mehr beruf­li­chen und ande­ren Gebie­ten wid­men, so nun auch die­sem Interview.

Nach mei­nem Schul­ab­schluss an der Wal­dorf­schule Frank­furt habe ich ein Frei­wil­li­ges Sozia­les Jahr absol­viert. (damals hieß das noch nicht so, war aber genau das. :-)) Ich habe mit Erwach­se­nen, die Ein­schrän­kun­gen wie Epi­lep­sie, Down-Syndrom, etc. haben, in einer anthro­po­so­phi­schen Ein­rich­tung gelebt. Diese Ein­rich­tung nennt sich Cam­phill und ist eine länd­li­che geprägte Gemein­schaft in der alle – Betreuer oder Betreu­ter, das macht dann irgend­wann kei­nen Unter­schied mehr — leben und nach ihren Mög­lich­kei­ten arbei­ten. Dort habe ich meine Liebe zum Garten/Landwirtschaft in Kom­bi­na­tion mit mensch­li­chen Ein­schrän­kun­gen aller Art ent­deckt. Nach einem fehl­ge­schla­ge­nen Ver­such des Biologie-Studiums absol­vierte ich dann eine Aus­bil­dung zur Land­wir­tin und anschlie­ßend das Stu­dium der öko­lo­gi­schen Agrar­wis­sen­schaf­ten. Erfah­run­gen im Zer­ti­fi­zie­rungs­we­sen sam­melte ich dann bei einer Zer­ti­fi­zie­rungs­stelle in Göt­tin­gen. Der öko­lo­gi­sche non-food-Bereich übte schon damals einen Reiz auf mich aus. Hier gab und gibt es noch viele Pio­niere und die Moti­va­tion, etwas zu bewe­gen und Neues auf die Beine zu stel­len, impo­niert mir immer wie­der sehr.

Was genau macht die Gesell­schaft für ange­wandte Wirt­schafts­ethik und wel­che Ziele ver­folgt ihr mit eurer Arbeit als GfaW und mit dem CSE-Standard im speziellen?

Ouh, jetzt wird’s span­nend… Die GfaW möchte, dass nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten zum Main­stream wird, es sich eta­bliert. Erfolgt ein Wirt­schaf­ten unter ethi­schen Gesichts­punk­ten, hat dies auto­ma­tisch Nach­hal­tig­keit zur Folge. Daher der Name der GfaW.

Unser Betä­ti­gungs­feld ist somit sehr viel­schich­tig. Alles, was nötig ist, damit nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten zur guten fach­li­chen Pra­xis wird, ist unser Ziel. Aber aus Kapa­zi­täts­grün­den kon­zen­trie­ren wir uns auf das Herz­stück, den CSE-Standard. Ziel des CSE-Standards ist es, eine kon­krete Defi­ni­tion nach­hal­ti­gen Wirt­schaf­tens zu lie­fern. In dem der CSE-Standard das wider­spie­gelt, was der­zeit schon umge­setzt wird – also auch mög­lich ist — set­zen wir damit einen Stan­dard, eine Mess­latte, einen Kri­te­ri­en­ka­ta­log. Wer nach den Kri­te­rien des CSE Stan­dards arbei­tet, der erfüllt den Anspruch, ein wirk­lich nach­hal­ti­ges Unter­neh­men zu sein.

Unter­neh­men die Nach­hal­tig­keit ganz­heit­lich ver­ste­hen und ihre Arbeit danach aus­rich­ten, haben die Mög­lich­keit sich nach dem CSE-Standard zer­ti­fi­zie­ren zu las­sen. Worin unter­schei­det sich die­ser Stan­dard von ande­ren beste­hen­den Zer­ti­fi­zie­run­gen und warum soll­ten sich Unter­neh­men nach CSE zer­ti­fi­zie­ren lassen?

Gehen wir von einem Ver­ständ­nis der star­ken Nach­hal­tig­keit aus, in dem die drei Dimen­sio­nen Öko­lo­gie, Sozia­les und Öko­no­mie im gesam­ten Unter­neh­men nicht nur gleich­be­rech­tigt vor­kom­men, son­dern auch in deren posi­tive Ent­wick­lung inves­tiert wird, dann komme ich immer wie­der zu dem Schluss, dass es der­zeit nur unsere Zer­ti­fi­zie­rung gibt, die alles das abdeckt. Andere Zer­ti­fi­zie­run­gen aus dem Bereich Nach­hal­tig­keit behan­deln jeweils immer nur Teil­be­rei­che der Nach­hal­tig­keit (z.B. Fair­trade für Ökonomie/Soziales aber keine Öko­lo­gie oder Bio-Lebensmittel für Öko­lo­gie, aber kein Sozia­les, geschweige denn Öko­no­mie) oder Teil­be­rei­che des Unter­neh­mens (z.B. die Pro­dukt­zer­ti­fi­zie­run­gen wie Natur­kos­me­tik oder ein­zelne Cradle to Cradle Pro­dukte oder das Manage­ment­sys­tem wie ISO 14001) oder Teil­be­rei­che der Wirt­schaft, meint: Pro­dukte (z.B. FSC nur für Holz-Erzeugnisse).

Mit einer CSE-Zertifizierung kön­nen Unter­neh­men sich von den der­zei­ti­gen Teilbereichs-Zertifizierungen abgren­zen und damit zei­gen wie kon­se­quent und wahr­haf­tig sie es mei­nen. Außer­dem bie­tet die Mit­ar­beit in der Arbeits­gruppe „Leben­dige Nach­hal­tig­keit“ eine gute Mög­lich­keit, sich mit Pio­nie­ren auf einem ähn­li­chen Niveau aus­zu­tau­schen und aktu­elle Nachhaltigkeits-Themen zu diskutieren.

Wie schätzt du den Nut­zen des CSE-Standards für den Ver­brau­cher ein? Hilft es ihm eine bes­sere Kauf­ent­schei­dung zu tref­fen oder trägt ein wei­te­rer Stan­dard viel­leicht zur Ver­un­si­che­rung inner­halb des vor­han­de­nen Label-Dschungels bei?

Hier würde ich gerne unter­schei­den zwi­schen CSE-Standard und CSE-Label. Der CSE-Standard hat für End­ver­brau­cher direkt erst­mal kei­nen so gro­ßen Nut­zen. Viel­leicht erst die Kin­der oder Kin­des­kin­der der Ver­brau­cher, so wie jedes nach­hal­tige Wirt­schaf­ten. Natür­lich kann sich jeder inter­es­sierte Ver­brau­cher unse­ren Stan­dard her­un­ter­la­den und durch­le­sen. Ich habe ver­sucht alles so zu for­mu­lie­ren, dass die Kri­te­rien für jeden ver­ständ­lich sind und man nicht erst einen Dok­tor in Zer­ti­fi­zie­run­gen haben muss. Wir arbei­ten wei­ter­hin an einer ver­ständ­li­chen Kom­mu­ni­ka­tion und haben noch diverse Pro­jekte im Auge. 

Das CSE-Label ist jedoch für den End­ver­brau­cher von gro­ßem Nut­zen. Als Resul­tat der CSE-Zertifizierung darf es auf jedem Pro­dukt erschei­nen, das aus einem CSE-Unternehmen her­vor­geht. Dadurch, dass er nicht nur eine Bran­che abdeckt, ist er für den Ver­brau­cher eine zuver­läs­sige Kenn­zeich­nung von nach­hal­tig erzeug­ten Pro­duk­ten bzw. jetzt dem­nächst auch von Dienst­leis­tun­gen. Es geht also nicht mehr nur um das Pro­dukt, son­dern um die Nach­hal­tig­keit bei der Erzeu­gung des Produktes.

Jaja, der Labeld­schun­gel – Label sind ein­fach unschlag­bar, weil sie als ver­dich­te­tes Mar­ke­ting am Point of Sale viel trans­por­tie­ren kön­nen. Daher blei­ben wir bei dem Label. Was den Dschun­gel angeht muss ich aller­dings sagen, dass wir uns im Gebiet von CSE – also ganz­heit­li­che zer­ti­fi­zierte Nach­hal­tig­keit sowas von gar nicht in einem Dschun­gel bewe­gen. Wir ste­hen eher allein auf wei­ter Flur. Neh­men wir als Bei­spiel das Por­tal Label-online.de (http://label-online.de/suche/ ). Hier sind von ins­ge­samt 573 Label 125 nach­hal­tig, 8 davon kate­go­ri­en­über­grei­fend, von denen wie­derum 7 weg­fal­len, da sie ent­we­der eine Han­dels­aus­zeich­nung sind wie Pro­Pla­net – das fin­det man nur bei Rewe und das nützt mir gar nichts, wenn ich im Edeka stehe — oder wie­der nur Sozia­les abde­cken, wie Fair Trade oder keine Kenn­zeich­nung auf einem Pro­dukt sind. Somit bleibt nur eines, näm­lich CSE.

Der­zeit arbei­tet ihr ja an dem CSE-Standard für Han­dels– und Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men. Wie lange exis­tiert bereits der CSE-Standard für Indus­trie­un­ter­neh­men und wie ist euer ers­tes Resümee?

CSE ist 2012 aus einem Pilot­pro­jekt her­vor­ge­gan­gen, zu dem es schon jah­re­lange Vor­ar­beit gab. Auf Wunsch von Natur­kos­me­tik– und Natur­pro­duk­te­her­stel­ler haben Dr. Banz­haf von Eco­Con­trol (Zer­ti­fi­zie­rungs­stelle für öko­lo­gi­sche non-food-Produkte) und ich zu einem ers­ten Tref­fen ein­ge­la­den. Die meis­ten der teil­neh­men­den Unter­neh­men hat­ten schon ca. 6 Jahre die von Eco­Con­trol ange­bo­tene Fir­men­zer­ti­fi­zie­rung genutzt. Basie­rend auf den ethi­schen Grund­sät­zen von Eco­Con­trol, erstel­len sich Fir­men ihre eige­nen Kri­te­rien und las­sen diese durch Eco­Con­trol prü­fen. Nun bestand 2011 der Wunsch, von einer drit­ten Stelle diese Kri­te­rien gene­ra­li­sie­ren und kon­kre­ti­sie­ren zu las­sen. Dem Wunsch bin ich gerne nach­ge­kom­men und habe die vor­han­de­nen jewei­li­gen Kri­te­rien mit Kri­te­rien der dama­li­gen exis­tie­ren­den Nach­hal­tig­keits­an­sätze ver­gli­chen, ange­passt. Aus­ge­hend mei­ner Recher­chen und einer Idee, wie nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten funk­tio­nie­ren kann habe ich diese Kri­te­rien noch ergänzt und in einen grö­ße­ren Kon­text gestellt. Der so ent­stan­dene Vor­schlag wurde dann in Arbeits­grup­pen­tref­fen dis­ku­tiert und in Test-Audits erprobt. 2012 stand dann der CSE-Standard und hatte sei­nen Markt­ein­tritt bei der Bio­F­ach. Wir sind sehr froh, dass der Ansatz, ein bran­chen­über­grei­fen­des Nach­hal­tig­keits­sie­gel zu schaf­fen durch die Aus­wei­tung auf Dienst­leis­tung und Han­del Wahr­heit gewor­den ist. Es ist nun in der Tat mög­lich, alle Pro­dukte des täg­li­chen Bedarfs nach­hal­tig zu pro­du­zie­ren und zer­ti­fi­zie­ren zu lassen.

Unser Resü­mee ist: Es geht gar nicht mehr anders. Unter­neh­men, die CSE nut­zen, haben es deut­lich leich­ter in der gesam­ten Nach­hal­tig­keits­kom­mu­ni­ka­tion und fin­den eine Art Rück­halt im Stan­dard, sowie darin, dass andere Unter­neh­men ihn auch nut­zen und die­ses hohe Niveau des Wirt­schaf­tens „schaf­fen“. Natür­lich wür­den wir uns wün­schen, dass mehr Unter­neh­men diese Zer­ti­fi­zie­rung nut­zen und als Chance begreifen.

Was hat dich per­sön­lich dazu bewo­gen, dein Arbeits­le­ben der Nach­hal­tig­keit zu wid­men und einen Stan­dard auf den Weg zu brin­gen der nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten zertifiziert?

Wie schon vor­her erwähnt schlägt mein Herz für die Muti­gen, die neue Wege gehen hin zu einer bes­se­ren Welt. Ich habe einen Hei­den­re­spekt vor den Men­schen, die in den CSE-Unternehmen ste­hen und mit dazu bei­tra­gen die Vision einer nach­hal­ti­gen, men­schen­freund­li­chen und umwelt­ge­rech­ten Wirt­schaft wahr wer­den zu las­sen. Als Grün­de­rin der GfaW weiß ich ja, dass es nicht so ein­fach ist, Schritte zu gehen, die viel­leicht noch nie jemand vor­her gegan­gen ist und man somit auch auf keine Bera­tung oder Erfah­rung zurück grei­fen kann. Wenn das alles auch noch in einer nicht-eigennützigen Inten­tion geschieht, dann ist es nötig, dass die Mensch­heit davon erfährt und ich möchte mei­nen Bei­trag dazu leisten.

Vie­len Dank für das tolle Inter­view und den Ein­blick in eure Arbeit. Für die wei­tere Ent­wick­lung eures Stan­dards wün­schen wir euch viel Erfolg!

Wei­tere Infor­ma­tio­nen zur Gesell­schaft für ange­wandte Wirt­schafts­ethik sowie zum CSE-Standard sind unter www.angewandte-wirtschaftsethik.org zu finden.