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08 Dez Flüchtlingshilfe Teil II — In 4 Schritten zum Beschäftigungsverhältnis

Das bür­ger­schaft­li­che Enga­ge­ment zuguns­ten der Flücht­linge ist außer­or­dent­lich hoch, auch Unter­neh­men enga­gie­ren sich und wol­len sinn­volle Unter­stüt­zung liefern.

Die Inte­gra­tion in den Arbeits­markt: Eine große bevor­ste­hende Aufgabe

Viel wird über die Arbeits­markt­in­te­gra­tion dis­ku­tiert, wel­che Rah­men­be­din­gun­gen geschaf­fen wer­den müs­sen und wie Unter­neh­men Flücht­linge in ihren Betrie­ben anstel­len kön­nen. Die Geset­zes­lage ist da sehr dyna­misch – mal wer­den Rege­lun­gen getrof­fen, wel­che Flücht­lin­gen die Auf­nahme von Arbeit erleich­tern, dann wie­derum gibt es Rück­schritte, die ihnen eine Inte­gra­tion in den Arbeits­markt erschweren.

Ein lang­fris­tig aus­ge­leg­tes Vor­ge­hen, wie Flücht­linge zu einem Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis kom­men ist daher nicht mög­lich, doch nach dem aktu­el­len recht­li­chen Stand soll in 4 Schrit­ten erläu­tert wer­den, wie Unter­neh­men Flücht­linge in ihren Betrie­ben ein­stel­len kön­nen und wel­che Hür­den der­zeit zu neh­men sind. Das Netz­werk Land in Sicht – Arbeit für Flücht­linge in Schleswig-Holstein hat uns Anfang Dezem­ber im Rah­men einer Info-Veranstaltung erläu­tert wie das der­zei­tige Ver­fah­ren aussieht.

Schritt für Schritt zum Beschäftigungsverhältnis

Allem voran: Auf­grund der Bear­bei­tungs­zei­ten der Behör­den müs­sen Zeit­räume von 2 Wochen bis zu 2 Mona­ten beach­tet wer­den. Außer­dem sollte kein Arbeits­ver­trag geschlos­sen wer­den, sofern die Arbeits­er­laub­nis der Aus­län­der­be­hörde nicht vorliegt.

Schritt1 – Erklä­rung abgeben:

Hat ein Unter­neh­men einen nicht EU-Bürger den es gerne anstel­len will, muss die­ses zunächst eine Erklä­rung abge­ben, dass das Unter­neh­men diese Per­son anstel­len möchte. Die­ses Erklä­rungs­for­mu­lar erhält die jewei­lige Per­son bei der Aus­län­der­be­hörde. Viele Indus­trie– und Han­dels­kam­mern haben diese mitt­ler­weile auch vor­lie­gen, so dass Unter­neh­men die Erklä­rung auch über ihre zustän­dige IHK anfra­gen können.

Schritt2 – Erklä­rung einreichen:

Die Erklä­rung des Unter­neh­mens muss durch den Antrag­stel­ler bei der Aus­län­der­be­hörde ein­ge­reicht wer­den, wel­che anschlie­ßend eine Prü­fung vornimmt.

Schritt3 – Die Prüfung:

Die Aus­län­der­be­hörde prüft die Anstel­lungs­si­tua­tion. Dafür sind einige Fak­to­ren ganz wesentlich.

  1. Titel der Per­son: Zunächst muss eine War­te­zeit von 3 Mona­ten berück­sich­tigt wer­den – nach Ankunft in Deutsch­land und Aus­spra­che des Asyl­ge­suchs darf die jewei­lige Per­son ab dem 4ten Monat arbei­ten, auch wenn das Asyl­ver­fah­ren noch nicht abge­schlos­sen ist.
  2. Vor­rang­prü­fung: Der­zeit gibt es die Vor­rang­prü­fung, in der geschaut wird ob es vor Ort Arbeits­su­chende gibt, die diese Arbeit durch­füh­ren könn­ten. Dadurch ver­lang­samt sich die gesamte Prü­fung enorm und führt u.a. auch zu nega­ti­ven Beschei­den, da Arbeits­su­chende hier­für vor­han­den sind. Diese Prü­fung wird der­zeit jedoch sehr kon­tro­vers dis­ku­tiert und es beste­hen Über­le­gun­gen diese abzuschaffen.
  3. Her­kunfts­land: Ein wei­te­rer Aspekt ist der, der Her­kunft. Auf­grund der kürz­lich benann­ten „siche­ren Her­kunfts­län­dern“ gibt es ein Beschäf­ti­gungs­ver­bot, sofern der Asyl­an­trag nach dem 31.08.2015 gestellt wurde. Ein posi­ti­ver Aus­gang des Asyl­an­tra­ges ist der­zeit bei Men­schen aus Syrien, Iran, Irak und Eri­trea sehr wahrscheinlich.

 

Schritt4 – Ertei­lung der Arbeitserlaubnis

Nach­dem die Aus­län­der­be­hörde die Prü­fung der Anstel­lungs­si­tua­tion vor­ge­nom­men hat, wird die Arbeits­er­laub­nis erteilt und es kann ein Arbeits­ver­trag zwi­schen Unter­neh­men und Flücht­ling geschlos­sen werden.

Unter­neh­men die ihre Arbeits­plätze gezielt geflüch­te­ten Men­schen anbie­ten wol­len, kön­nen auch ihre Stel­len auf workeer, der Job­börse für Flücht­linge anbie­ten: http://www.workeer.de

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28 Sep Flüchtlingshilfe Teil I – Wie Unternehmen helfen können

Häu­fig errei­chen die Men­schen Deutsch­land bzw. Europa mit dem was in eine Plas­tik­tüte passt. Die aktu­elle Situa­tion erfor­dert es, dass viele Akteure zusam­men arbei­ten und Unter­stüt­zung leis­ten – der Staat allein kann diese Auf­gabe kaum bewäl­ti­gen. Unzäh­lige Frei­wil­lige grei­fen hier ein und unter­stütz­ten Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen bei ver­schie­dens­ten Auf­ga­ben. Auch die Wirt­schaft ist in die­ser Aus­nah­me­si­tua­tion gefragt und sollte sich aktiv einbringen.

Die Mög­lich­kei­ten des unter­neh­me­ri­schen Enga­ge­ments sind sehr viel­fäl­tig. Will ein Unter­neh­men eine posi­tive Wir­kung in der Flücht­lings­hilfe erzie­len oder grund­sätz­lich gesell­schaft­lich einen posi­ti­ven Bei­trag leis­ten, sind unter­schied­lichste For­men denkbar.

Hier wer­den einige Mög­lich­kei­ten des unter­neh­me­ri­schen Enga­ge­ments vor­ge­stellt, sowie am Ende auf bun­des­weite Orga­ni­sa­tio­nen ver­wie­sen, die in der Flücht­lings­hilfe aktiv sind.

Unter­neh­mens­spende

Finanz­mit­tel wer­den sei­tens der Gemein­nüt­zi­gen immer benö­tigt, ins­be­son­dere in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen wie der aktu­el­len – auch wenn die Unter­neh­mens­spende ein klas­si­sches Instru­ment unter­neh­me­ri­schen Enga­ge­ments dar­stellt, so bleibt sie doch zeit­los. Die Spende darf jedoch nicht als Spon­so­ring ver­stan­den wer­den, für die es eine Gegen­leis­tung in Form einer Wer­be­mög­lich­keit gibt, wie z.B. die Dar­stel­lung des Unter­neh­mens auf einem Ban­ner bei einem Event der gemein­nüt­zi­gen Einrichtung.

Matching Fund

In Deutsch­land noch rela­tiv wenig prak­ti­ziert, dabei ist das Prin­zip sehr sim­pel und die Wir­kung dop­pelt gut. Mit dem Matching Fund ist eine Spen­den­ver­viel­fa­chung gemeint, bei der Kun­den oder Mit­ar­bei­ter für eine Spen­den­ak­tion ein­be­zo­gen wer­den. Die Matching Fund-Aktion kann auch wie­der auf unter­schied­li­che Weise durch­ge­führt wer­den. Bei­spiels­weise kön­nen Unter­neh­men einen Spen­den­be­trag in Aus­sicht stel­len, unter der Vor­aus­set­zung das Kun­den oder Mit­ar­bei­ter eine vor­her defi­nierte Summe sam­meln. Beson­ders wirk­sam ist es, wenn ver­schie­dene Stu­fen ein­ge­baut wer­den, ab der die gesam­melte Summe ver­dop­pelt, ver­drei­facht oder ver­vier­facht wird.

Wird eine sol­che Aktion inner­halb des Unter­neh­mens mit der Beleg­schaft geplant, lässt sich dar­aus eine tolle interne Fundraising-Aktion gestal­ten, bei der die Mit­ar­bei­ter aktiv ein­ge­bun­den werden.

Spen­den statt Schenken

Der Som­mer ist noch gar nicht rich­tig vor­bei und doch gibt es bereits wie­der Leb­ku­chen, Pfef­fer­nüsse und andere Weih­nachts­le­cke­reien in den Super­märk­ten zu kau­fen. Damit beginnt nun wie­der die Zeit des Schen­kens. Kun­den und Geschäfts­part­ner erhal­ten häu­fig kleine Auf­merk­sam­kei­ten um wohl­ge­son­nen in Erin­ne­rung blei­ben. Wirk­lich sinn­volle Prä­sente las­sen sich jedoch oft­mals schwer finden.

Doch es gibt schöne und sinn­volle Alter­na­ti­ven. Bei „Spen­den statt schenken“-Aktionen inves­tie­ren Unter­neh­men ihr Geschenke-Budgets in eine Spende, für die es i.d.R. dann ein Dan­kes­schrei­ben gibt, wel­ches prima den Weih­nachts­grü­ßen an die Kun­den und Geschäfts­part­ner beige­legt wer­den kann, um dadurch über das Enga­ge­ment zu informieren.

Pay­roll Giving

Ver­die­nen wir nicht alle 1755 und ein paar Zer­quetschte? Und genau um die geht es, um die Zer­quetsch­ten. Die Cent-Beträge des aus­ge­wie­se­nen Brut­to­ein­kom­mens wer­den hier­bei ein­be­hal­ten und kom­men einer aus­ge­wähl­ten gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­tion zugute. Die monat­li­che Spende wird auf dem Gehalts­strei­fen aus­ge­wie­sen wodurch sie auch steu­er­be­güns­tigt wirkt. Diese sehr ein­fa­che Spen­den­form wird in Deutsch­land noch rela­tiv wenig gehand­habt, wobei sie sich bei einer hohen Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung durch­aus rechnet.

Cor­po­rate Volunteering

Frei­wil­lige Hel­fer wer­den aktu­ell beson­ders drin­gend benö­tigt. Cor­po­rate Volun­tee­ring wird von vie­len Unter­neh­men bereits in Form eines jähr­lich statt­fin­den­den Akti­ons­ta­ges durch­ge­führt, an dem die Beleg­schaft ihren Arbeits­platz gegen ein gemein­nüt­zi­ges Pro­jekt ein­tauscht. Doch Cor­po­rate Volun­tee­ring funk­tio­niert auch im klei­ne­ren Umfang. Unter­neh­men kön­nen bei­spiels­weise ein­zelne Mit­ar­bei­ter über einen län­ge­ren Zeit­raum regel­mä­ßig frei­stel­len, damit diese bei­spiels­weise in den Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen unter­stüt­zen können.

Benefiz-Firmenevent

Ob es das Jubi­läum, die Betriebs– oder Weih­nachts­feier ist – Unter­neh­men fin­den immer geeig­nete Anlässe um mit­ein­an­der anzu­sto­ßen. Auch weil dadurch die Iden­ti­fi­ka­tion mit dem Arbeit­ge­ber und die Zufrie­den­heit der Mit­ar­bei­ter geför­dert wer­den soll. Wel­cher freu­dige Anlass auch besteht – die­ser kann sinn­voll abge­run­det wer­den, in dem das Event zuguns­ten der Flücht­lings­hilfe aus­ge­rich­tet wird. Auch hier­bei sind der Krea­ti­vi­tät keine Gren­zen gesetzt – bei­spiels­weise kann ein posi­ti­ver Bei­trag durch den Ver­kauf von Geträn­ken, einer Ver­stei­ge­rung oder auch den Ver­zicht auf Geschenke geleis­tet werden.

Sach­spende

Neben finan­zi­el­len Mit­teln wer­den natür­lich auch viele Sach­mit­tel benö­tigt. Häu­fig errei­chen die Men­schen Deutsch­land mit dem was in eine Plas­tik­tüte passt. Hier fehlt es an allem – Klei­dung, Mobi­liar, Hygie­ne­ar­ti­kel, Medi­ka­mente etc. Unter­neh­men soll­ten sich ihr Kern­ge­schäft anse­hen und schauen, wel­che Unter­stüt­zung sie leis­ten kön­nen. Ein Dro­ge­rie­markt ver­kauft täg­lich hun­derte Hygie­ne­ar­ti­kel die beson­ders drin­gend benö­tigt wer­den, ein Tex­til­un­ter­neh­men wie­derum kann auf ganz andere Weise unter­stüt­zen und bei­spiel­weise Unterwäsche-Lieferungen spen­den. Aber auch orga­ni­sierte Aktio­nen inner­halb des Unter­neh­mens loh­nen sich, wie z.B. einen Auf­ruf unter der Beleg­schaft zur gemein­sa­men Kleiderspende.

Abschlie­ßend noch einige Orga­ni­sa­tio­nen die sich bun­des­weit für die Ver­bes­se­rung der Situa­tion von geflo­he­nen Men­schen einsetzten.

UNO-Flüchtlingshilfe

Die UNO-Flüchtlingshilfe ist der deut­sche Spen­den­part­ner von UNHCR — dem Flücht­lings­hilfs­werk der Ver­ein­ten Natio­nen. Seit 1980 för­dern sie Hilfs­pro­jekte für Flücht­linge im In– und Ausland.

www.uno-fluechtlingshilfe.de

PRO ASYL

PRO ASYL ist eine unab­hän­gige Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tion, die sich seit mehr als 25 Jah­ren für die Rechte ver­folg­ter Men­schen in Deutsch­land und Europa einsetzt.

www.proasyl.de

Aktion Deutsch­land hilft

Aktion Deutsch­land Hilft ist das 2001 gegrün­dete Bünd­nis von 24 renom­mier­ten deut­schen Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen. Gemein­sam hel­fen sie Men­schen, die durch große Kata­stro­phen alles ver­lo­ren haben.

www.aktion-deutschland-hilft.de

Dar­über hin­aus sind auf dem Infor­ma­ti­ons­por­tal über Hilfs­pro­jekte für Flücht­linge in Deutsch­land unter­stüt­zens­werte Pro­jekte in allen Regio­nen Deutsch­lands zu finden.

Wie kann ich helfen

http://wie-kann-ich-helfen.info/karte

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