Nachhaltigkeit in der Digitalwirtschaft_sustaineration

11 Apr Nachhaltigkeit in der Digitalwirtschaft – ist das wirklich nötig?

Warum Nach­hal­tig­keit für Unter­neh­men der Digi­tal­wirt­schaft bedeut­sam ist, erschließt sich nicht jedem sofort. Digi­tale Wirt­schaft­un­ter­neh­men pro­du­zie­ren ja keine Güter, ver­brau­chen weni­ger Res­sour­cen und emit­tie­ren letzt­end­lich doch weni­ger CO2 als Indus­trie­un­ter­neh­men. Diese Mei­nung ist ins­be­son­dere in der Digi­tal­wirt­schaft stark ver­tre­ten. Aber der Schein trügt.

Wäh­rend Indus­trie­un­ter­neh­men den Hand­lungs­be­darf schon längst erkannt haben und ver­stärkt dar­auf ach­ten, dass öko­lo­gi­sche und soziale Kri­te­rien in den Wert­schöp­fungs­ket­ten ihrer Pro­dukte berück­sich­tigt wer­den, bewegt sich ins­be­son­dere die Digi­tale Wirt­schaft nur schwer in Rich­tung Zukunfts­fä­hig­keit. Nach­hal­tig­keit wird hier gerne belä­chelt, dabei bie­tet eine nach­hal­tige Aus­rich­tung die­ser Unter­neh­men enor­mes Potential.

Nach­hal­tig­keit stärkt die Wettbewerbsfähigkeit

Gerade Unter­neh­men des IKT-Sektors (Infor­ma­ti­ons– und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien) kon­kur­rie­ren sehr stark um die bes­ten und qua­li­fi­zier­tes­ten Mit­ar­bei­ter. Nicht nur Kun­den tref­fen häu­fig ihre Kauf­ent­schei­dung nach dem Kri­te­rium Nach­hal­tig­keit, auch Bewer­ber schauen zuneh­mend dar­auf, wie ver­ant­wor­tungs­be­wusst poten­ti­elle Arbeit­ge­ber mit Umwelt und Gesell­schaft umge­hen. Unter­neh­men, denen die Nach­hal­tig­keit ihrer Akti­vi­tä­ten am Her­zen liegt, sagt man gute Arbeits­be­din­gun­gen nach. Damit ergibt sich ein kla­rer Wett­be­werbs­vor­teil  bei der Rekru­tie­rung neuer Mit­ar­bei­ter für ver­ant­wor­tungs­be­wusst geführte Unternehmen.

Doch bei der nach­hal­ti­gen Aus­rich­tung der Unter­neh­mens­ak­ti­vi­tä­ten geht es um weit mehr, als um die Arbeit­ge­be­rat­trak­ti­vi­tät. Nach­hal­tig­keit sollte dabei immer unter Berück­sich­ti­gung sämt­li­cher öko­no­mi­scher, öko­lo­gi­scher und sozia­ler Kri­te­rien inner­halb der Wert­schöp­fungs­kette beur­teilt wer­den. Es geht dabei letzt­end­lich um die zukunfts­fä­hige Aus­rich­tung des Unternehmens.

Doch wel­chen Nut­zen haben Unter­neh­men der Digi­ta­len Wirt­schaft von einer nach­hal­ti­ge­ren Aus­rich­tung ihrer Aktivitäten?

Zum einen ist es mög­lich, durch kon­se­quen­tes Ver­hal­ten und dem bewuss­ten Ein­satz von Ener­gie, die Ener­gie­ef­fi­zi­enz des Unter­neh­mens dras­tisch zu stei­gern und damit selbst­ver­ständ­lich die Kos­ten dafür stark zu sen­ken. Ähn­lich ver­hält es sich mit dem Abfall. Vie­len Unter­neh­men ist gar nicht bewusst für wel­chen Abfall wel­che Ent­gelte ent­fal­len. Diese und wei­tere gerin­gin­ves­ti­ven Maß­nah­men füh­ren dazu, dass erheb­li­che Kostein­spa­run­gen erreicht wer­den. Ein wei­te­rer Ener­gie­fres­ser ist das Doku­men­ten­ma­nage­ment. Daten wer­den nicht sel­ten mehr­fach auf unter­schied­li­chen Ser­vern oder Clouds abge­spei­chert, E-Mail lie­gen über Jahre im Post­fach und die Desk­tops der Mit­ar­bei­ter sind nicht sel­ten von oben bis unten mit redun­dan­ten Dateien zuge­pflas­tert.  Das Manage­ment allein kann hier nicht beson­ders viel aus­rich­ten. Es ist beson­ders wich­tig, dass sämt­li­che Mit­ar­bei­ter mit­ge­zo­gen wer­den und jedem, bei­spiels­weise in Form von Schu­lun­gen, auf­ge­zeigt wird, wie nach­hal­ti­ges Ver­hal­ten am Arbeits­platz mög­lich ist.

Es kommt auf eine umfas­sende Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie an

Doch das Ver­hal­ten der Mit­ar­bei­ter und deren Umgang mit Res­sour­cen sind nicht aus­rei­chend, um seine Akti­vi­tä­ten unter Berück­sich­ti­gung nach­hal­ti­ger Kri­te­rien zu opti­mie­ren. Ins­be­son­dere in der IKT-Branche wer­den beson­ders viele Res­sour­cen für die Hard­ware benö­tigt. Die dafür erfor­der­li­chen Res­sour­cen stam­men nicht sel­ten aus Kri­sen­ge­bie­ten und wer­den unter bür­ger­kriegs­ähn­li­chen Bedin­gun­gen abge­baut. Hinzu kommt, dass auch die Hard­ware selbst ener­gie­ef­fi­zi­ent arbei­ten sollte, womit Unter­neh­men von Beginn an den Ener­gie­auf­wand gering hal­ten kön­nen.  Eben­falls sind sämt­li­che Rechen­zen­tren pure Umwelt­sün­der. Natür­lich sind diese not­wen­dig, doch auch hier sollte ana­ly­siert wer­den, wel­ches Opti­mie­rungs­po­ten­tial besteht und wie diese Zen­tren gestal­tet wer­den kön­nen, so dass sie mög­lichst wenig Ener­gie ver­brau­chen und im bes­ten Fall keine Roh­stoffe aus Kri­sen­re­gio­nen enthalten.

Nur wenn man zu den Bes­ten gehört kann man die Bes­ten für sich gewinnen

Nicht zuletzt geht es aber auch um die Arbeit­ge­be­rat­trak­ti­vi­tät. Schauen Sie sich um, die Kon­kur­renz schläft nicht, ins­be­son­dere in Bal­lungs­ge­bie­ten wie Ber­lin, Ham­burg oder Mün­chen. Damit Sie eine Chance haben, qua­li­fi­zierte Mit­ar­bei­ter für sich zu gewin­nen, müs­sen Unter­neh­men als ver­ant­wor­tungs­be­wusste Arbeit­ge­ber über­zeu­gen. Ver­ant­wor­tung gegen­über der Umwelt und Gesell­schaft, aber nicht zuletzt Ver­ant­wor­tung gegen­über der eige­nen Beleg­schaft. Nur dann haben Sie eine Chance, dau­er­haft die bes­ten Bewer­ber für sich zu gewinnen.

Auch für die Digi­tale Wirt­schaft wird das Thema Nach­hal­tig­keit zuneh­mend rele­van­ter. Nach­hal­tig­keit hat hier noch nicht sei­nen Platz gefun­den, doch das wird sich in den kom­men­den Jah­ren mit Sicher­heit ändern, denn Nach­hal­tig­keit ist in jeder Bran­che nötig und sollte im bes­ten Fall bereits wäh­rend der Grün­dungs­phase Beach­tung fin­den. Grün­der soll­ten die Chance nut­zen, von Beginn an ein ver­ant­wor­tungs­be­wuss­tes und zukunfts­fä­hi­ges Geschäfts­mo­dell zu entwickeln.

 

AUTOR

Niels Chris­ti­an­sen ist Grün­der und Geschäfts­füh­rer von sus­tai­ne­ra­tion und arbei­tet mit Lei­den­schaft daran Unter­neh­men auf dem Weg zu einem ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te­ren Wirt­schaf­ten zu begleiten.

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