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09 Aug Goodbye Palmöl — von dem Versuch es aus dem Leben zu verbannen

Niels ist kein gro­ßer Fan von Vor­sät­zen für das immer wie­der anste­hende neue Jahr. Doch für 2017 hatte er tat­säch­lich einen gefasst: Kein Palmöl mehr! Wel­che Erfah­run­gen er dabei gemacht hat und wie er zu zer­ti­fi­zier­tem Palmöl als Alter­na­tive steht, lest ihr in sei­nem Beitrag.

Ver­zicht auf Palmöl – Aus gutem Grund!

Palmöl ist stän­di­ger Beglei­ter unse­res All­tags: Im Essen, im Tank, in Kos­me­tik­pro­duk­ten oder auch in Rei­ni­gungs­mit­teln. Es gibt kaum einen All­tags­be­reich in dem wir nicht mit dem umstrit­te­nen Öl in Berüh­rung kom­men. Dabei ist die Umwelt– und Sozi­al­bi­lanz des Pflan­zen­öls erschre­ckend negativ.

Feucht und zugleich warm, also tro­phisch, mag es die Ölpalme gerne – Rund um den Äqua­tor fin­det sie ideale Wachs­tums­be­din­gun­gen vor. Die Kon­se­quenz: In Latein­ame­rika, Süd­ost­asien und Afrika wer­den Tag für Tag Regen­wäl­der gero­det und abge­brannt, da die Flä­chen für die Plan­ta­gen benö­tigt wer­den. Für Mensch und Umwelt fol­gen rie­sige Men­gen kli­ma­schäd­li­cher Gase, der Ver­lust von Wäl­dern und somit Lebens­raum vie­ler bedroh­ter Tier­ar­ten, die bru­tale Ver­trei­bung von Klein­bau­ern und der indi­ge­nen Bevöl­ke­rung, sowie kata­stro­phale Arbeits­be­din­gun­gen auf den Plantagen.

Davon abge­se­hen, ist das Palmöl für uns selbst nicht ein­mal gut. Raf­fi­nier­tes Palmöl ent­hält gesund­heits­schäd­li­che Fett­säu­ren. Diese beschä­di­gen das Erb­gut und kön­nen Krebs verursachen.

Für mich, eine Reihe von Grün­den um Palmöl aus mei­nem Leben zu strei­chen, ganz und gar!!

Mit geschärf­tem Blick einkaufen

Schon vor dem Jah­res­wech­sel habe ich hier und da dar­auf geach­tet palmöl­frei ein­zu­kau­fen, aber war dabei eben nicht beson­ders kon­se­quent. Das sollte sich nun ändern, was bedeu­tet, dass ich viel auf­merk­sa­mer sein muss beim Einkaufen.

Bei vie­len Din­gen war mir bereits klar, dass diese Palmöl ent­hal­ten, wie Scho­ko­lade, Mar­ga­rine, Süßig­kei­ten oder auch Haselnuss-Cremes … hier habe ich mich in der Ver­gan­gen­heit wohl zu stark dar­auf ver­las­sen, dass ich Bio-zertifizierte Pro­dukte kaufe, das musste sich nun ändern. Aber in Die­sel, Kos­me­tik, Wasch­mit­tel und Back­wa­ren hätte ich Palmöl erst­mal nicht ver­mu­tet. Die Idee Palmöl ganz und gar aus mei­nem Leben zu ver­ban­nen, wurde damit zu einer her­aus­for­dern­den Auf­gabe. Ich habe mir ange­wöhnt, bei allem ein Blick auf die Inhalts­stoffe zu werfen.

Ach­tet man auf Palmöl bei den Inhalts­stof­fen stol­pert man schnell über das RSPO-Siegel, wel­ches nach­hal­ti­ges Palmöl kenn­zeich­net. Dachte ich zumindest!

Warum RSPO-zertifiziertes Palmöl keine Alter­na­tive für mich ist

Meine Recher­chen zum Round­ta­ble of Sus­tainable Pal­moil (RSPO)–Label haben mich ziem­lich über­rascht, da das Sie­gel dem Ver­brau­cher mit­teilt, „dies ist ein Pro­dukt, wel­ches zer­ti­fi­ziert nach­hal­ti­ges Palmöl beinhal­tet“. Wenn man es dann noch auf Bio-Produkten fin­det, kauft man es doch mit gutem Gewis­sen, so ging es mir zumindest.

Lei­der war dies ein Trug­schluss! Die Anfor­de­run­gen an die Zer­ti­fi­zie­rung gehen nicht weit genug, um als Ver­brau­cher dar­auf ver­trauen zu kön­nen, man kaufe „echt“ nach­hal­ti­ges Palmöl. Bei­spiels­weise wird ledig­lich die Rodung von beson­ders schüt­zens­wer­ten Wäl­dern zur Errich­tung neuer Plan­ta­gen unter­sagt, d.h. Regen­wald­ab­hol­zung wird durch RSPO nicht ver­hin­dert und somit auch nicht die Bedro­hung der Lebens­räume ein­zel­ner Tier­ar­ten. Green­peace beschreibt RSPO als Stan­dard, der als „eine gute Ori­en­tie­rung für Minimal-Anforderungen des Palmöl-Anbaus“ dient. Green­peace selbst, lehnt die­sen Stan­dard jedoch nicht ab, son­dern will ihn gemein­sam mit ande­ren Akteu­ren inner­halb der Initia­tive Palm Oil Inno­va­tions Group wei­ter­ent­wi­ckeln. Ziel ist es, Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen und die Zer­stö­rung von Wäl­dern und Moo­ren auszuschließen.

Der Milch Michl ist mein Licht am Horizont

Solange die RSPO-Zertifizierung noch so lücken­haft ist, sind ent­spre­chend zer­ti­fi­zierte Pro­dukte der­zeit keine Alter­na­tive für mich. Da ich gerne Scho­ko­lade zum Wein, Macadamia-Creme auf dem Früh­stücks­bröt­chen oder Erd­nuss­but­ter­so­ßen beim Thai­län­der esse, heißt es jetzt: ver­zich­ten! Wobei, nicht ganz, denn der Milch Michl kommt ganz ohne Palmöl aus – So bleibt mir zumin­dest mein scho­ko­la­di­ger Wein­mo­ment, wel­cher zudem noch die eine oder andere Kind­heits­er­in­ne­rung hervorruft.

Ganz ohne geht es lei­der trotz­dem nicht

Zuhause koche ich palmöl­frei. Auch beim Thema Kör­per­pflege, beim Waschen und beim Haus­halts­putz komme ich ohne aus und das ist tat­säch­lich nicht ein­mal beson­ders schwie­rig. Wenn ich jedoch bei Freun­den oder in einem Restau­rant esse, frage ich nicht nach Palmöl – Das geht mir per­sön­lich etwas zu weit. Und ich hätte die Befürch­tung, nicht erneut ein­ge­la­den zu werden. 😉

… den Bus­fah­rer frage ich im Übri­gen auch nicht, mit wel­chem Öl der Bio­die­sel gestreckt wurde.

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