Wildblumenwiese in voller Blüte

14 Apr Biodiversity Balanced Scorecard – Biodiversität strategisch verankern

Ohne Bio­di­ver­si­tät kein Business

Bio­lo­gi­sche Viel­falt und die damit ein­her­ge­hen­den Öko­sys­tem­leis­tun­gen sind Grund­lage mensch­li­chen Wohl­er­ge­hens und gleich­zei­tig das Fun­da­ment wirt­schaft­li­cher Tätig­keit. Dabei ist die bio­lo­gi­sche Viel­falt ganz wesent­lich dafür ver­ant­wort­lich, dass Öko­sys­tem­leis­tun­gen nicht abreißen.

Biodiversität_und_Business

Da bio­lo­gi­sche Viel­falt die Wert­schöp­fung unzäh­li­ger Unter­neh­men unter­stützt, wird die Natur häu­fig als Kapi­tal betrach­tet, des­sen Leis­tun­gen die Divi­dende sind, wel­che von Unter­neh­men nicht sel­ten maxi­miert wird. Doch genau die­ses Ver­hal­ten führt dazu, dass der Bio­di­ver­si­täts­ver­lust wei­ter zunimmt und dadurch auch Öko­sys­tem­leis­tun­gen abrei­ßen. Dabei soll­ten Unter­neh­men ver­sucht sein, den Kapi­tal­stock der Natur und die Grund­lage mensch­li­chen Wohl­er­ge­hens und wirt­schaft­li­cher Tätig­keit nicht auf­zu­zeh­ren. Hierzu muss der Erhalt der bio­lo­gi­schen Viel­falt jedoch fest in einer Orga­ni­sa­tion ver­an­kert wer­den, um die rele­van­ten Bio­di­ver­si­täts­as­pekte eines Unter­neh­mens zu ope­ra­tio­na­li­sie­ren und hand­hab­bar zu machen.

Bio­di­ver­si­täts­as­pekte stra­te­gisch im Unter­neh­men verankern

Aus­gangs­punkt, um Bio­di­ver­si­tät stra­te­gisch im Unter­neh­men ein­zu­füh­ren ist eine Basis­ana­lyse, in der die Wir­kungs­zu­sam­men­hänge zwi­schen einem Unter­neh­men und der Bio­di­ver­si­tät, sowie sämt­li­che Hand­lungs­fel­der iden­ti­fi­ziert und dar­aus rele­vante Bio­di­ver­si­täts­as­pekte abge­lei­tet wer­den. Da Bio­di­ver­si­tät auf­grund der drei Ebe­nen (Arten, Genen und Lebens­räume) sehr kom­plex ist, wird für die Iden­ti­fi­ka­tion der Wir­kungs­zu­sam­men­hänge natur­wis­sen­schaft­li­che Exper­tise benö­tigt. Um eine ste­tige Ver­bes­se­rung der Bio­di­ver­si­täts­leis­tung errei­chen zu kön­nen, müs­sen rele­vante Bio­di­ver­si­täts­as­pekte fest in den Manage­ment­struk­tu­ren ver­an­kert wer­den. Trotz umfas­sen­der Nor­men zum Umwelt­ma­nage­ment wer­den Bio­di­ver­si­täts­as­pekte bei der Ein­füh­rung sol­cher Manage­ment­sys­teme häu­fig ver­nach­läs­sigt oder nur unzu­rei­chend berücksichtigt.

Bio­di­ver­sity Balan­ced Score­card (BBSC)

Die Idee der Bio­di­ver­sity Balan­ced Score­card setzt hier an und basiert auf dem Kon­zept der tra­di­tio­nel­len Balan­ced Score­card von Kaplan und Nor­ton, die damit 1996 ein betriebs­wirt­schaft­li­ches Instru­ment zur Leis­tungs­mes­sung geschaf­fen haben. Bis heute hat sich das Kon­zept der Balan­ced Score­card fest in der Unter­neh­mens­welt eta­bliert und wird zudem nicht sel­ten im Manage­ment zur Steue­rung von Nach­hal­tig­keits­as­pek­ten ein­ge­setzt. Die tra­di­tio­nelle Balan­ced Score­card von Kaplan und Nor­ton beinhal­tet eine Finanz-, Kunden-, Poten­tial– und Pro­zes­s­per­spek­tive, wobei der Finanz­per­spek­tive eine dop­pelte Bedeu­tung zukommt, da sämt­li­che Ziele der übri­gen Per­spek­ti­ven mit die­ser ver­bun­den sein müs­sen. Für die Ent­wick­lung einer BBSC wur­den die klas­si­schen Per­spek­ti­ven umbe­nannt in Erfolg, Markt, Pro­zesse und Mit­ar­bei­ter, sowie eine fünfte Per­spek­tive Bio­di­ver­si­tät hin­zu­ge­fügt. Für jede der fünf Per­spek­ti­ven gilt es nun stra­te­gi­sche Ziele zu formulieren.

Die Ursache-Wirkungs-Beziehungen zwi­schen den stra­te­gi­schen Zie­len soll­ten in einer Stra­tegy Map ver­deut­licht wer­den, um zum einen die Zusam­men­hänge zwi­schen den Unter­neh­mens­zie­len und den Zie­len zum Erhalt der bio­lo­gi­schen Viel­falt zu iden­ti­fi­zie­ren, aber auch um die hohe Rele­vanz ein­zel­ner Ziele erkenn­bar zu machen.

Strategy Map

Die Stra­tegy Map sollte anschlie­ßend sinn­voll doku­men­tiert wer­den, da es nicht leicht ist ein­zelne Gedan­ken im Nach­gang voll­stän­dig nach­zu­voll­zie­hen. Dafür soll­ten die Zusam­men­hänge zwi­schen den Ursa­chen, als beein­flus­sen­des Ziel und den Wir­kun­gen als beein­flusste Ziele for­mu­liert und doku­men­tiert wer­den. Das Aus­for­mu­lie­ren der Ursache-Wirkungs-Beziehungen ver­deut­licht noch­mals die Zusam­men­hänge zwi­schen der Unter­neh­mens­tä­tig­keit und der Bio­di­ver­si­tät und hilft dabei geeig­nete Maß­nah­men zu ent­wi­ckeln, um die Bio­di­ver­si­täts­leis­tung eines Unter­neh­mens zu ver­bes­sern. Nach­dem sämt­li­che Wir­kungs­ket­ten sys­te­ma­tisch doku­men­tiert und beschrie­ben wur­den, fällt es leich­ter dar­aus kon­krete Ziele abzu­lei­ten. Für alle fünf Per­spek­ti­ven der BBSC wer­den, auf Basis der Ursache-Wirkungs-Analyse ent­spre­chende Ziele mit adäqua­ten Mess­grö­ßen abge­lei­tet, sowie Maß­nah­men zur Errei­chung der Ziele erarbeitet.

Imple­men­tie­rung der Bio­di­ver­sity Balan­ced Scorecard

Die BBSC kann jedoch nur dann als Steue­rungs­in­stru­ment fun­gie­ren, wenn sie voll­stän­dig in einem Unter­neh­men imple­men­tiert wird. Das bedeu­tet sie muss in einem Unter­neh­men kom­mu­ni­ziert wer­den, damit die Ein­füh­rungs­gründe sei­tens der Geschäfts­lei­tung für die gesamte Orga­ni­sa­tion deut­lich wer­den. Zusätz­lich sollte die BBSC mit geziel­ten Steue­rungs­in­stru­men­ten des Unter­neh­mens zusam­men­ge­führt wer­den. Dabei gibt es im Wesent­li­chen drei Schritte, die eine erfolg­rei­che Imple­men­tie­rung der BBSC ausmachen.

      I.         Ver­knüp­fung mit beste­hen­den Instru­men­ten des Controllings

Die BBSC sollte im bes­ten Fall von Beginn an in das vor­han­dene Con­trol­lingsys­tem ver­an­kert wer­den. Häu­fig wird bei der Inte­gra­tion von Score­cards der Feh­ler gemacht, ein eigen­stän­di­ges Reporting auf­zu­bauen, wel­ches nicht aus­rei­chend in die beste­hen­den Reporting­struk­tu­ren des Unter­neh­mens imple­men­tiert wird. Dies kann ver­hin­dert wer­den, in dem die BBSC in das beste­hende Con­trol­lingsys­tem inte­griert wird. Die Errei­chung der BBSC-Ziele bekommt dadurch eine stär­kere Bedeutung.

     II.         IT-Unterstützung

Dar­über hin­aus sollte eine BBSC durch die gege­bene Infor­ma­ti­ons­tech­nik (IT) unter­stützt wer­den. Die IT-Unterstützung ist für den Erfolg der BBSC ein wich­ti­ges Kri­te­rium, da erst dann die Nut­zen­po­ten­tiale die­ses Instru­ments voll­stän­dig aus­ge­schöpft wer­den kön­nen. Kon­kret kön­nen durch eine gezielte IT-Unterstützung Effi­zi­enz­po­ten­tiale in der Doku­men­ta­tion und im Reporting erreicht wer­den, da ins­be­son­dere die Daten­kon­sis­tenz und Daten­si­cher­heit sicher­ge­stellt wer­den kann.

   III.         Idee der Bio­di­ver­sity Balan­ced Score­card muss gelebt werden

Ein ganz bedeu­ten­der Erfolgs­fak­tor der BBSC ist die Ver­zah­nung im Ver­hal­ten der­Or­ga­ni­sa­tion, d.h. die BBSC muss gelebt wer­den. Die Ver­knüp­fung mit dem Con­trol­ling und die IT-Unterstützung ist hier­für bereits eine gute Basis. Aller­dings müs­sen die Ein­füh­rung der BBSC, sowie die Gründe zur Ein­füh­rung in der gesam­ten Orga­ni­sa­tion kom­mu­ni­ziert wer­den. Um die Akzep­tanz und die Berück­sich­ti­gung der Ziel­set­zun­gen der BBSC im Ver­hal­ten und in den Ent­schei­dun­gen der Mit­ar­bei­ter zu ver­an­kern, bie­tet sich dar­über hin­aus ein Anreiz­sys­tem an. Wich­tig ist, dass die gesamte Orga­ni­sa­tion für das Errei­chen der Ziele der BBSC sen­si­bi­li­siert und wenn nötig geschult wird.

Fazit

Auf­grund der hohen Fle­xi­bi­li­tät der Bio­di­ver­sity Balan­ced Score­card kön­nen Bio­di­ver­si­täts­as­pekte und ent­spre­chende Unter­neh­mens­ziele ein­fach in beste­hende Manage­ment­struk­tu­ren inte­griert wer­den. Da sich das Vor­ge­hen bei der Ent­wick­lung einer BBSC an dem Plan-Do-Check-Act Zyklus ori­en­tiert, kann sie ohne gro­ßen Auf­wand in beste­hende Manage­ment­struk­tu­ren inte­griert wer­den. Die BBSC kann dem­nach auch sehr gut als Ergän­zung zu einem gän­gi­gen Umwelt­ma­nage­ment­sys­tem nach DIN EN ISO 14001 oder EMAS betrie­ben wer­den. Da die Anfor­de­run­gen die­ser Umwelt­ma­nage­ment­sys­teme bezüg­lich bio­lo­gi­scher Viel­falt zum Teil sehr schwach for­mu­liert bzw. nicht vor­han­den sind, ist es sinn­voll eine BBSC als Ergän­zung ein­zu­füh­ren und in das beste­hende Umwelt­ma­nage­ment­sys­tem zu inte­grie­ren. Um eine ste­tige Ver­bes­se­rung der Bio­di­ver­si­täts­leis­tung eines Unter­neh­mens zu errei­chen, müs­sen jedoch sämt­li­che Unter­neh­mens­pro­zesse hin­sicht­lich ihres Ein­wir­kens auf die bio­lo­gi­sche Viel­falt unter­sucht wer­den – dies kann die BBSC nicht leis­ten. Doch um iden­ti­fi­zierte Bio­di­ver­si­täts­as­pekte eines Unter­neh­mens in den Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren stra­te­gisch zu ver­an­kern, bie­tet die Bio­di­ver­sity Balan­ced Score­card ein hilf­rei­ches Vorgehen.

 

AUTOR

Niels Chris­ti­an­sen ist Grün­der und Geschäfts­füh­rer der sus­tai­ne­ra­tion UG. Im Rah­men sei­ner Mas­ter­ar­beit ent­wi­ckelte er die Idee der Bio­di­ver­sity balan­ced Scorecard.

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